Mayrhofen zeigt sein erstes Testergebnis: Positive Gelassenheit

Trotz verschärfter Maßnahmen für fünf Tage beweisen die Mayrhofner Disziplin und Solidarität. Rund 3200 Testanmeldungen bis Samstagmittag.

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Sowohl die Ortsein- und -ausfahrten als auch am Bahnhof und im Zug wird in Mayrhofen kontrolliert. Regen Andrang gab es gestern zum PCR-Gurgeltest im Europahaus.
© Böhm

Von Eva-Maria Fankhauser

Mayrhofen – Vier Polizisten versperren auf der Zillertalbundesstraße den Weg nach Mayrhofen. Oder eigentlich vielmehr den Weg aus Mayrhofen heraus. Seit gestern Mitternacht gilt für alle Gemeindebürger, die den Ort verlassen wollen, die PCR-Testpflicht. Die Beamten kontrollieren jedes Fahrzeug. An drei Fixpunkten sind Polizisten oder Soldaten des Bundesheeres postiert. Andere Ausfahrten aus dem Ort wurden komplett gesperrt.

400 Fahrzeuge und 450 Personen kontrolliert

Bis gestern Mittag wurden laut Polizei 400 Fahrzeuge und 450 Personen kontrolliert. Nur fünf Autos davon mussten wieder umkehren. Ohne negativen PCR-Test geht nichts. Ein paar Schaulustige spazieren am Fußweg nahe der Straßensperre vorbei. Generell trifft man auf den Spazierwegen am Ortsrand mehr Leute als im Dorfzentrum. Dort herrscht gähnende Leere. Die Geschäfte sind geschlossen, die Restaurants und Hotels ohnehin seit vielen Monaten zu und auch Spaziergänger sind kaum unterwegs.

Und das in einem Ort, der vor Corona nur so vor Leben und Tausenden Touristen strotzte. „Vor ein paar Tagen war hier noch etwas mehr los. Jetzt hat wieder alles zu. Da ist klar, dass niemand unterwegs ist. Ein bisserl unheimlich ist es trotzdem“, sagt ein Mayrhofner. Er ist gerade mit seiner Frau unterwegs zum Testen. „Ja, klar nützen wir das Angebot. Wir machen da jetzt mit und zeigen uns solidarisch“, erklärt sie.

Diese Solidarität zieht sich wie ein roter Faden durch den Ort. Die Mayrhofner stehen zusammen. Und vor allem sind sie testwillig und wollen nach außen zeigen, wie es wirklich um die Zillertaler Tourismusgemeinde steht.

„Ich hoffe einfach, dass es bald besser wird. Seit fast einem Jahr bin ich nun zuhause, weil ich meinen Job in der Gastro nicht ausüben kann“, erklärt Koch Adel Fathey. Die verschärften Maßnahmen für die nächsten Tage stören ihn nicht. „Ich gehe täglich eine Runde spazieren oder Lebensmittel einkaufen. Den Ort verlasse ich eigentlich nie. Für mich ändert sich daher nichts“, sagt er gelassen. Ebenso locker nimmt es ein junges Paar, das durch die leeren Straßen schlendert. „Natürlich schlägt das auf die Stimmung hier im Ort und es geht halt schon lange so dahin. Da mag man irgendwann nimmer. Wir sind schon alle ziemlich genervt“, sagt die Frau. Ihr Freund meint, dass man trotzdem den Mut nicht verliere und durchhalte.

Von Jugendlichen auf der Motocross bis zur vierköpfigen Familie im Auto war in der Mayrhofner Teststraße gestern einiges los.
© Thomas Boehm / TT

Von Isolation oder Eingesperrt-Fühlen sind viele Mayrhofner weit entfernt. „Ich verstehe die Maßnahmen gut, man muss die Situation ernst nehmen. Durch das verstärkte Testen wissen wir wenigstens, wie der Status ist, und dann kehrt vielleicht mal etwas Ruhe ein“, sagt sie, steckt die Hände in die Jackentasche und macht sich auf den Heimweg vom Testen. Das sieht auch Hansjörg Hotter so. Der Mayrhofner hat kein Problem mit den neuen Maßnahmen: „Ist ja eh alles gleich wie vorher.“ Beim Europahaus hat sich auch Robert Spajic testen lassen: „Klar ist es gerade etwas komisch hier. Aber die Stimmung ist nicht per se schlecht. Diese fünf Tag­e kriegen wir auch noch rum.“

In kürzester Zeit stellte die Gemeinde dort zusätzlich zur bisherigen Teststraße bei der Sport-Clinic einen zweiten Standort bereit. „Das Angebot wurde schon am Freitag sehr gut angenommen“, sagt René Wallenta, Covid-19-Beauftragter der Gemeinde. Dort können die Mayr­hofner PCR-Gurgeltests machen – was so manchem deutlich lieber sei als der Abstrich. „Das geht schnell und ist auch nicht unangenehm. Ich möchte mich solidarisch zeigen“, sagt eine ältere Mayrhofnerin nach dem Test. Wallenta freut sich aber nicht nur über die große Testbereitschaft, sondern auch über die vielen Freiwilligen, die das Angebot erst möglich machen. Sowohl Gemeindemitarbeiter als auch Bedienstete des Europa­hauses und des Sozialsprengels helfen mit, opfern ihre Freizeit und engagieren sich.

Im Europahaus wird deutlich, dass alle konzentriert arbeiten und dennoch versuchen, eine lockere Atmosphäre für die Testwilligen zu schaffen. Immerhin haben sich laut BM Monika Wechselberger 3200 Personen aus der 3873-Einwohner-Gemeinde bis gestern Mittag bereits zum Test angemeldet und über 1900 Mayrhofner waren bis zum Nachmittag getestet. Nur zwölf Personen mussten aufgrund eines positiven Ergebnisses in Quarantäne. Diese PCR-Proben werden zudem auf eine mögliche Mutation geprüft. „Gut wäre, wenn die große Masse die Testung annimmt und Mayr­hofen so zeigt, dass es nicht so ist, wie man hört“, sagt Wallenta. Er hofft auf ein positives Signal nach außen.

Genau das wünscht sich auch BM Wechselberger. „Die zwei, drei Tage Vorbereitung hat es schon gebraucht. Einfach für die Infrastruktur, damit alles steht, aber auch für die Leute. Für sie war es heute bestimmt entspannter, da sie über alle Maßnahmen Bescheid wussten“, sagt Wechselberger. Die Telefone in der Gemeinde liefen die letzten Tage heiß. Und auch wenn einige Beschwerden dabei waren, dass bereits 40 % der Mayrhofner am ersten Tag testen waren, das hat die Bürgermeisterin „aus den Socken gehaut“. Sie sei stolz, dass sie so einer Gesellschaft vorstehen dürfe und die Stimmung schon fast enthusiastisch sei. Wechselberger: „Wir bieten dem Virus die Stirn.“


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