Via Claudia Augusta will Weltkulturerbe werden

Der Verein Via Claudia Augusta ist der uralten Geschichte der Radroute auf der Spur. Heuer hofft man wieder auf mehr Tourismus.

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Bei Dormitz legten Archäologen 2017 eine römische Siedlung mit zahlreichen Fundstücken frei.
© Pircher

Von Matthias Reichle

Fließ – Zwei antike Schreibgriffel, eine 2500 Jahre alte Spiralfibel oder Teile einer Hipposandale, sprich eines römischen Hufeisens – es ist nur eine Auswahl der vielen kleinen Schätze, die über zwei Jahrtausende im Boden auf ihre Entdeckung gewartet haben. Sie zeigen, wie vielfältig das Leben auf der Via Claudia Augusta einst war. Die alte Römerstraße quert Tirol zwischen Nauders und Vils. Gleich zweimal wurden Archäologen in den letzten vier Jahren fündig. Im Nassereither Ortsteil Dormitz entdeckten sie eine bislang unbekannte Siedlung, im Dollinger Lager bei Tarrenz spürte man einem uralten Heiligtum nach. Beide Grabungen wurden im Rahmen des EU-geförderten Interregprojekts „Hereditas“ durchgeführt. Nun zog man Bilanz.

Es ist keine tote Geschichte, ganz im Gegenteil. Die Via Claudia ist als Radroute so lebendig wie eh und je. „40.000 bis 50.000 Radler waren vor Corona jährlich unterwegs“, erklärte der Koordinator des Projekts, Christoph Tschaikner. Im vergangenen Jahr überholte man sogar den Donauradweg als beliebteste grenzüberschreitende Radroute der Deutschen.

Aufgrund der Pandemie gab es 2020 beim Radtourismus zwar einen Einbruch um 40 Prozent. Die uralte Geschicht­e der Römerstraße sieht man aber als besonderes Alleinstellungsmerkmal, auf dem man auch in Zukunft aufbauen kann. „Sie macht die Route zu etwas Besonderem.“

Gemeinsam mit dem Obmann des Vereins Via Claudia Augusta Tirol, Walter Stefan, präsentierte Tschaikner einen neuen mehrsprachigen Band zur Geschichte der Römerstraße mit dem Titel „Contributions ut Historiae“. In elf Beiträgen wurden dabei neue Theorien präsentiert: etwa, dass Kaiser Claudius damals den Ausbau der Strecke anordnete, nachdem er auf den schlechten Wegen von Britannien zurück nach Rom reisen musste.

Auch heute noch ist der Ausbau der Via Claudia aktuell – allerdings für den Radtourismus. Heuer hofft man, dass trotz des Virus wieder mehr Radler kommen, auch bei den Weitwanderern und motorisierten Geschichtsliebhabern will man die Strecke mehr und mehr etablieren. Inzwischen lockt die Route auch internationales Publikum an – zum Beispiel aus Brasilien.

Es sei ein langfristiges Ziel, dass die Via Claudia als Weltkulturerbe anerkannt wird. Um hier Chancen zu haben, müsse noch verstärkt geforscht werden, erklärten Stefan und Tschaikner. „Dazu bräuchte man die Unterstützung der großen Gebietskörperschaften.“ Tschaikner spricht von einem 1000 Kilometer langen Korridor, den es zu schützen gilt. Es sind große Gebiete, die durch die alte Römerstraße geprägt wurden.


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