Ausfall der Wintersaison durch Corona-Pandemie reißt Milliardenlöcher

Die Alpenregion verliert laut einer neuen Vitalpin-Studie 15,8 Mrd. Euro.

Auch im Tourismus geht man davon aus, dass diese Wintersaison ein Totalausfall sein wird – mit massiven Folgen für Betriebe und Jobs.
© Andreas Rottensteiner

Innsbruck – Der alpine Tourismus, sonst starker Motor eines gesamten Wirtschaftssystems, wird durch die Corona-Pandemie ganz besonders massiv getroffen. Mit realistischem Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen und die Aussagen der Politik sei heuer mit einem Totalausfall der gesamten Wintersaison zu rechnen, betont man bei Vitalpin, der internationalen Interessengemeinschaft für alpines Wirtschaften.

„Durch Reisewarnungen und Lockdowns steht nicht nur der Tourismussektor vor enormen Herausforderungen. Auch viele andere Branchen, die indirekt vom Reisegeschehen abhängig sind, haben mit massiven Umsatzeinbußen zu kämpfen“, sagt Vitalpin-Obmann Hannes Parth. Das Virus habe die Gesundheit des gesamten Wirtschaftssystems im Alpenraum ins Wanken gebracht. Umso größer sei die Leistung von Seilbahnen und anderen Betrieben, die trotz wirtschaftlicher Verluste Freizeit- und Sportaktivitäten für Einheimische unter Einhaltung größtmöglicher Sicherheitsvorkehrungen ermöglicht haben, so Parth.

Die von Vitalpin bei der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) in Auftrag gegebene Hochrechnung ergab dramatische Folgen des zur Pandemie-Bekämpfung verordneten Stillstands für den Tourismus in der Alpenregion mit Vorarlberg, Tirol, Salzburg, der Steiermark, dem Kanton Graubünden, Bayern sowie Südtirol.

Der Totalausfall des Nächtigungstourismus im alpinen Raum bedeute laut GAW: einen Umsatzausfall von 15,8 Mrd. Euro, einen Wertschöpfungsverlust von 23 Mrd. Euro, einen Einkommensverlust von 8,7 Mrd. Euro und einen Verlust von knapp 200.000 Arbeitsplätzen. Für Studienautor Stefan Haigner „zeigt die Studie einmal mehr die Bedeutung des Alpentourismus als Wirtschaftsfaktor für alle Branchen“.

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Stark betroffene Bereiche, neben dem Tourismus an sich, seien etwa der Handel und die Bauwirtschaft. Über 32.000 Verkäuferinnen und Verkäufer bangen um ihren Job – und mehr als 13.000 Bauarbeiter. Stark betroffen seien auch Mobilitätsanbieter, Dienstleister und die Landwirtschaft. Weil die Abnehmer aus der Gastronomie und Hotellerie fehlen, müssen Tonnen von wertvollen Lebensmitteln vernichtet werden: „So wie eine Kuh auch in Pandemiezeiten weiter Milch gibt, muss auch angebautes Gemüse geerntet werden, unabhängig davon, ob es dafür Abnehmer gibt oder nicht. Allein in Tirol mussten kürzlich 120 Tonnen Kohl vernichtet werden, um nur ein Beispiel für die prekäre Lage der indirekt betroffenen Branchen zu geben“, betont Vitalpin-Geschäftsführerin Theresa Haid. Zu hoffen sei, dass die staatlichen Hilfen ausreichen, um die Betriebe durch die Krise zu bringen. (TT)


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