Ost-West-Gefälle auf den Intensivstationen, Lage in Innsbruck stabil

Während in Wien Intensivmediziner vor allem die britische Variante des Virus beunruhigt, ist die Lage an der Klinik trotz Südafrika-Mutant stabil.

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Innsbrucker Mediziner legte eine Studie vor, wonach vor allem Diabetiker bei Covid mit schweren Verläufen zu rechnen hätten.
© APA/dpa/Sebastian Gollnow

Wien, Innsbruck – Die Zahl der Covid-19-Patienten auf Österreichs Intensivstationen ist innerhalb von zwei Wochen um mehr als 23 Prozent gestiegen. Das ist ein deutlich stärkerer Zuwachs als bei den infizierten Spitalspatienten insgesamt mit einem Plus von knapp elf Prozent. Die Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) sprach daher am Montag von einem „Besorgnis erregenden Anstieg“. Die Dominanz der britischen Mutation spiele „zweifellos eine wichtige Rolle“.

An der Innsbrucker Klinik ist die Lage sowohl an der Intensivstation wie auch auf der Normalstation nicht weiter beunruhigend. In Innsbruck werden 13 Covid-Patienten auf der Normalstation betreut, elf auf der Intensivstation. In Hall sind es sechs Patienten auf der Normalstation, auf der Intensiv liegt einer. Der Sprecher der Tirol Kliniken, Johannes Schwamberger, verweist auf den Stufenplan, der jederzeit aktiviert werden könne. Zu Spitzenzeiten im November mussten in Tirol 80 Patienten intensiv betreut werden.

„Die Lage ist seit Längerem stabil. Derzeit werden in Innsbruck elf Covid-Patienten intensiv betreut.“ – Johannes Schwamberger (Sprecher Tirol Kliniken)
© Tirol Kliniken

Die Klinik hält keine fixe Bettenanzahl für Covid-Patienten vor, sondern erhöht diese nach Bedarf. Seit Mitte Jänner halten sich die Zahlen relativ stabil, trotzdem das Zillertal und der Bezirk Schwaz als Hotspot für die südafrikanische Virusvariante geführt werden. Der Leiter der Innsbrucker Intensivstation Michael Joannidis hatte vor Kurzem der TT erklärt, dass der Krankheitsverlauf bei den verschiedenen Virusvarianten gleich sei. „Wir sind gut aufgestellt“, hatte Joannidis gemeint. Er koordiniert die Intensivbettenkapazitäten in ganz Tirol. Die Innsbrucker Mediziner haben festgestellt, dass Diabetiker schwerer an Covid erkranken. Joannidis empfahl, Menschen mit chronisch erhöhtem Blutzuckerspiegel bei den Impfungen vorzuziehen.

In Wien klingen die Intensivmediziner weitaus alarmierter. Die britische Variante sei ansteckender und die Reproduktionszahl daher höher. „Ein Mehr an Infektionen führt naturgemäß auch zu einer stärkeren Belastung der Intensivstationen“, berichtete ÖGARI-Präsident Klaus Markstaller von MedUni Wien/AKH in einer Aussendung.

„Die Situation wird wieder deutlich angespannter, wenn auch regional durchaus unterschiedlich stark“, erläuterte Markstaller. „Bei Anhalten des aktuellen Trends sind wir sehr rasch wieder so weit, dass noch stärker in den Krisenmodus umgeschaltet werden muss: also zum Beispiel durch das Verschieben von geplanten Operationen intensivmedizinische Kapazitäten freigemacht werden müssen.“

„Wir sind auf den intensivmedizinischen Abteilungen auch jetzt für alle Szenarien und Eventualitäten vorbereitet. Doch die Intensivmedizin ist, bildlich gesprochen, in diesem Spiel die letzte Wiese“, betonte Markstaller. „Die spielentscheidenden Akzente für den Verlauf werden vorher gesetzt: durch Impfungen, Prophylaxe-Maßnahmen und die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten. Leider richtet sich das Virus nicht nach einer allfälligen ‚Pandemie-Müdigkeit‘.“

In Innsbruck wurde während des ersten Lockdowns auch die Klinik runtergefahren. Verschobene Operationen und nicht erkannte Herzinfarkte waren unter anderem die Folgen. Der Stufenplan soll so lange wie möglich verhindern, dass Operationen verschoben werden müssen. Im November war es knapp, da mussten mehr Menschen behandelt werden als im Frühjahr. (aheu, APA)


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