Drei Tote und mehrere Verletzte bei Protesten in Myanmar

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In Myanmar sind bei Protesten gegen die Militärmachthaber drei Menschen getötet worden. Die Polizei habe in der Stadt Myitkyina im Norden des Landes das Feuer auf Demonstranten eröffnet und dabei zwei Personen erschossen, berichteten Augenzeugen am Montag. Mindestens drei Menschen seien dabei verletzt worden, hieß es. In Pyapon südlich von Yangon starb ein Mann lokalen Medien zufolge durch einen Bauchschuss. Sechs weitere Demonstranten wurden dort verletzt.

Landesweit gingen zum Wochenbeginn erneut Zehntausende Menschen auf die Straßen, um gegen den Militärputsch von Anfang Februar zu protestieren. In Yangon, der größten Stadt des Landes, waren zahlreiche Geschäfte, Bankfilialen und Fabriken geschlossen. Sicherheitskräfte kontrollierten im Zentrum Fahrzeuge, um Demonstranten an der Teilnahme an Kundgebungen zu hindern. Dennoch versammelten sich in der Wirtschaftsmetropole zahlreiche Menschen zu Demonstrationen.

Berichtet wurde von massiver Polizei- und Armeepräsenz in den Straßen Yangons. Die Sicherheitskräfte setzten scharfe Munition und Blendgranaten ein, um die Protestierenden auseinanderzutreiben. Sicherheitskräfte durchsuchten auch die Räume von „Myanmar Now“. „Ich kann bestätigen, dass unser Büro heute am Nachmittag von einer Gruppe von Soldaten und Polizisten gestürmt wurde“, sagte Chefredakteur Swe Win der Nachrichtenagentur AFP. „Sie nahmen Computer, Teile unseres Datenservers und einen Drucker mit.“

Zudem gab es Berichte über die Besetzung von Krankenhäusern durch Sicherheitskräfte. „Ein Augenzeugenbericht beschreibt, wie bewaffnete Sicherheitskräfte das ‚West Yangon General‘-Krankenhaus betraten und versuchten, es gewaltsam zu besetzen“, erklärte die Organisation Physicians for Human Rights. Sie habe Informationen über die Besetzung fünf weiterer Krankenhäuser in Yangon sowie ähnliche Situationen in anderen Teilen Myanmars.

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Proteste gab es auch in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, und in Monywa im Westen, wie Video-Aufnahmen auf Facebook zeigten. In Dawei, einer Küstenstadt im Süden, wurden Demonstranten von Angehörigen der Karen National Union beschützt, einer bewaffneten ethnischen Gruppe, die seit langem einen Kampf gegen das Militär führt.

Auch in Pyapon durchsuchten Sicherheitskräfte das Büro der unabhängigen Nachrichtenseite „Myanmar Now“ und besetzten nach Angaben von Aktivisten Krankenhäuser. In Myitkyina ging die Polizei mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Diese warfen Steine nach den Sicherheitskräften, die wiederum das Feuer mit scharfer Munition eröffneten.

Besorgt und schockiert über die Gewalt gegen Demonstranten zeigte sich der schwedische Modehändler H&M, der in Myanmar Bekleidung fertigen lässt. Weitere Aufträge an Firmen in dem Land würden zunächst nicht mehr erteilt, erklärte die weltweit zweitgrößte Modekette am Montag.

Die Demonstranten fordern seit fünf Wochen die Freilassung und Wiedereinsetzung der festgesetzten Regierungschefin Aung San Suu Kyi. In der vergangenen Woche hatte die Gewalt ihren bisherigen blutigen Höhepunkt erreicht: Nach UNO-Angaben starben allein am Mittwoch 38 Menschen. Internationale Appelle und Sanktionen, die etwa die USA und Großbritannien gegen die Generäle verhängt haben, blieben bisher ohne Wirkung. Insgesamt starben nach UNO-Angaben bisher mehr als 50 Demonstranten.


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