Österreicher sehen EU durch Coronakrise geschwächt

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Die Österreicher stellen der EU bei der Krisenbewältigung der Corona-Pandemie mehrheitlich ein schlechtes Zeugnis aus. 51 Prozent glauben in einer am Dienstag veröffentlichten Gallup-Umfrage, dass die Europäische Union geschwächt aus der Coronakrise hervorgehen wird. Dennoch spricht sich die große Mehrheit für den Erhalt der EU aus und die Solidarität zu anderen Mitgliedstaaten ist seit dem vergangenen Jahr sogar gestiegen.

Nur fünf Prozent waren in der Ende Februar durchgeführten Online-Umfrage unter 1.000 Österreichern der Meinung, die EU habe einen „großen Beitrag“ bei der Bewältigung der Krise geleistet. Knapp ein Viertel (24%) bewertete den EU-Beitrag als „eher groß“. Dagegen sahen 21 Prozent gar keinen, 41 Prozent nur einen „eher kleinen“ Beitrag der Staatengemeinschaft für die Krisenbewältigung.

Das Image der Europäischen Kommission hat durch die Verzögerungen bei der Impfstoffbeschaffung deutlich gelitten. Mehr als ein Drittel der Österreicher (38%) geben an, dass ihr Vertrauen in EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gesunken sei. Wenig überraschend hat das Ansehen bei den FPÖ-Sympathisanten am stärksten gelitten (61%). Gestiegen ist das Vertrauen in von der Leyen nur bei drei Prozent der Österreicher, bei 45 Prozent gab es keine Veränderung.

Die Verantwortung für die schleppende Impfstofflieferungen sehen die Österreich klar bei der EU. Nur 27 Prozent sieht die Verzögerungen in den Problemen bei den Produktionskapazitäten der Impfstoffhersteller begründet. 48 Prozent sind der Meinung, die EU-Kommission habe sich gegenüber den Pharmafirmen schlechter durchsetzen können als andere Länder, 47 Prozent meinen, die EU habe die Impfstoffe zu spät bestellt.

Dennoch sind die Österreicher bei der Frage, ob die Impfstoffbeschaffung auf nationaler oder EU-Ebene passieren soll, zwiegespalten: 43 Prozent spricht sich weiterhin für eine gemeinsame Impfstoffbeschaffung der Europäischen Union aus, während 45 Prozent es besser fänden, wenn die einzelnen Staaten sich selber darum kümmern würden.

Trotz aller Kritik sprachen sich 58 Prozent der Befragten für ein Weiterbestehen der europäischen Gemeinschaft aus. Dieser Wert ist seit Mai 2020 sogar leicht gestiegen, damals waren es 56 Prozent. Besonders groß ist die proeuropäische Haltung bei den Menschen unter 30 Jahren (72%) und höher Gebildete (82%). Zugleich ist die Solidarität der Österreicher mit anderen EU-Ländern, die durch die Corona-Krise besonders schwer betroffenen sind, relativ hoch. 58 Prozent der Österreicher ist dafür, dass die EU-Mitgliedstaaten zusammenhalten und besonders schwer betroffenen Ländern helfen sollten. Auch hier stieg der Wert seit dem Vorjahr: Im Mai 2020 sprachen sich 52 Prozent für Hilfe anderer EU-Staaten aus.


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