Großes Projekt in Nauders hadert mit kleinem, gefährdetem Vogel

In Nauders plant man eine große Beregnungsanlage – sie liegt im Revier des bedrohten Braunkehlchens.

Das Braunkehlchen ist stark gefährdet.
© Michael Dvorak

Nauders – Braune Wiesen, verdorrte Graswurzeln und verbrannte Böden – in den letzten Jahren hat die Trockenheit im Oberen und Obersten Gericht besonders hart zugeschlagen. Die Region ist eine der niederschlagsärmsten der Alpen. In Nauders plant man seit mehreren Jahren ein großes Bewässerungsprojekt – auf einer Fläche von rund 60 Hektar sollen Regner fehlenden Niederschlag ausgleichen. Was nach einer guten Sache klingt, ist umstritten. Grund ist das Braunkehlchen, ein gefährdeter Bodenbrüter, der aufgrund der intensiven Landwirtschaft in Europa stark zurückgedrängt wurde. Eines der letzten größeren Vorkommen in Tirol befindet sich in Nauders.

Das Thema Umweltschutz gestalte sich sehr schwierig, erklärte auch Bezirksbauernbundobmann Elmar Monz, der selbst Landwirt in Nauders ist, zuletzt im Gemeinderat. Der Landesumweltanwalt sei inzwischen gegen das Projekt. Nichtsdestotrotz soll es nun nach einer Corona-bedingten Pause von einer Fachfirma ausgearbeitet werden.

Für das Braunkehlchen, das am Boden brütet, sind Beregnungsanlagen generell ein Problem, auch weil der Schnitt dadurch früher stattfindet und das Nahrungsangebot verändert wird. In Nauders will man speziell auf Kleinberegnungsanlagen zurückgreifen und die Bewässerung mit einer Wassergenossenschaft gemeinsam organisieren. Auch sollen zwischen den Projektflächen Ausweichmöglichkeiten für das Braunkehlchen zur Verfügung stehen, so Monz.

Österreichweit dürfte die Situation für das Braunkehlchen dramatisch sein. Laut Informationen des Landes ist auch die Population in Nauders in den letzten Jahren wegen der Intensivierung der Landwirtschaft und der Beregnung, die eine erfolgreiche Brut zunichtemachen, bereits stark dezimiert. Sie sei um über 60 Prozent zurückgegangen.

Trotzdem ist man nicht grundsätzlich gegen das Projekt, wie von Monz behauptet, erklärt Walter Tschon von der Landesumweltanwaltschaft. Man wünsche sich, dass sich ein Vogelkundler das Projekt genau anschaut und abklärt, was möglich ist. Generell sei es zu groß und liege in den Kernzonen des Braunkehlchens. Monz hingegen lehnt eine Studie ab, das bedeute eine weitere Verzögerung. Mit 60 Hektar nutze man bereits nur ein Drittel der ursprünglich geplanten Fläche. (mr)


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