Auswahl der Geschworenen in Floyd-Prozess begonnen

Im Prozess gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin wegen der Tötung des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd hat am Dienstag die Auswahl der Geschworenen begonnen. Das Gericht in der Stadt Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota sucht bis zu zwölf Geschworene und vier Ersatzleute aus. Die Auswahl könnte sich bis Ende des Monats hinziehen, weil die Geschworenen alleine über die Schuld des Angeklagten entscheiden. Chauvin drohen bis zu 50 Jahre Haft.

Die Geschworenen haben im US-Recht eine herausgehobene Bedeutung. Die Kandidaten für die Jury dürfen unter Eid eingehend befragt werden, um sicherzustellen, dass sie trotz der Bekanntheit des Falls nicht voreingenommen sind. Verteidigung und Staatsanwaltschaft dürfen je eine bestimmte Zahl vorgeschlagener Geschworener ablehnen. Die Juroren bleiben dann aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres anonym. Ihre Auswahl hätte eigentlich schon am Montag beginnen sollen, wurde aber wegen verschiedener Anträge verschoben.

Chauvin wird Mord zweiten Grades ohne Vorsatz vorgeworfen. Darauf stehen bis zu 40 Jahre Haft. Chauvin muss sich zudem wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, was mit zusätzlich 10 Jahren Haft geahndet werden könnte.

Der 46-jährige Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einer brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Die Polizeibeamten drückten ihn auf der Straße zu Boden, Chauvin drückte sein Knie rund acht Minuten lang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb. Videos des Vorfalls verbreiteten sich rasch und führten in den USA zu wochenlangen Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. In Wien wurde ein Black-Lives-Matter-Protest mit rund 50.000 Teilnehmern zu einer der größten Demonstrationen seit Jahren.

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