Herzog wechselt das Team: „Ich bin Jahr für Jahr langsamer geworden“

Nach der verpatzten Saison verlässt Tirols Eisschnelllauf-Star Vanessa Herzog für Olympia 2022 ihr niederländisches Team und schließt sich den Polen an.

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Von Roman Stelzl

Innsbruck – Der Countdown tickt für Vanessa Herzog. 339 Tage sind es nach aktuellem Plan noch bis zu ihrem Parade-Rennen über 500 Meter bei den Olympischen Spielen in Peking – und derzeit ist einiges etwas vermurkst im Leben der Tiroler Eischnelllauf-Weltmeisterin von 2019. „Ich bin Jahr für Jahr um eine Zehntel langsamer geworden“, blickt die 25-jährige Innsbruckerin selbst auf zwei mäßige Saisonen seit ihrem großen WM-Coup in Inzell sowie dem Gesamtweltcupsieg zurück. „Wir sind überhaupt nicht zufrieden mit der Saison. Vanessa hatte seit dem WM-Titel kein einziges wirklich gutes Rennen“, bestätigt Trainer und Ehemann Thomas Herzog.

Also packt Österreichs Sportlerin des Jahres 2019 das Übel an der Wurzel – und die scheint in den Niederlanden verankert zu sein. Vor zwei Jahren wagte sich Herzog nach ihrer bisher stärksten Saison zum Oranje-Team „Reggeborgh“. Das Ziel: schneller, besser, stärker werden. Das Ergebnis: das Gegenteil.

„Vanessa hat nicht mehr die Lockerheit, die man von ihr kennt. Sie war in einem Team mit Superstars, um die sich das ganze Training gedreht hat. Das hat sich in ihrer Psyche und Performance niedergeschlagen. Sie ist in diesem Team ihrer Form und Lockerheit nachgelaufen“, sagt Thomas Herzog. Und Vanessa Herzog schürft noch tiefer: „Im Team sind sehr große Charaktere, ich hatte es als Ausländerin schwer. Sie haben an meiner Technik herumgedoktert, dabei habe ich meinen eigenen Stil.“

Die Konsequenz aus dem Unwohlsein: Fehler, Fehler, Fehler. Die Saison 2019/20 war nach dem Frühstart zum Auftakt in Polen über 500 Meter kaum noch zu retten, die nun abgelaufene, die Corona-bedingt auf sechs Wochen geschrumpft war, brachte WM-Rang fünf und einen Podestplatz im Weltcup (3. über 500 m in Heerenveen). Zu wenig für die hohen Ansprüche. „Ich habe zu viele Fehler gemacht, war nicht konstant genug“, so Herzog.

Deshalb sagte die Wahl-Kärntnerin ihrer Wahl-Trai ningsheimat gestern, ein Jahr später als geplant, offiziell ciao. Herzog verlässt das niederländische Team, ein Entschluss, den sie schon 2020 fassen wollte, damals aber wegen Idol Irene Wüst, die dem Team beitrat, nicht durchzog. Nun steht die österreichische Solistin im Weltklasse-Damen-Eisschnelllauf vor dem Neuanfang. Und den macht sie mit dem polnischen Team.

„Da zählt ihre Person mehr, sie muss nicht ständig Kompromisse eingehen und kann lockerer und freier fahren“, erklärt Tom Herzog den Wechsel in der Suche nach mehr Individualität. Und nach viel Struktur: Die Übergangszeit ist bereits jetzt bis zum Weltcup-Auftakt im November durchgeplant. Und sie wird wieder viel Rennzeit auf vier Rollen beinhalten.

„Ich will im Sommer wieder viele Rennen im Inlineskating bestreiten, das stand in Holland nicht am Plan“, freut sich Herzog, die in den Bewerben auf Asphalt Lust, Sicherheit und vor allem die richtige Position wiederfinden will. Denn die Stunden bis zu den Olympischen Spielen 2022 ticken bereits unerbittlich herunter, der Olympiasieg ist der große Traum. Und an dem wird mit aller Kraft gearbeitet.


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