Für Kartenbüros ist die Lockdown-Situation „fatal“

Der Betreiber des Ticket Shops in der Getreidegasse, Erich Berer, schaut trotz eines Umsatzverlustes im Corona-Jahr 2020 von rund 80 Prozent optimistisch in die Zukunft. „Es wird heuer nochmals ein schwieriges Jahr. Wir schaffen das, wir haben in guten Jahren Rücklagen gebildet“, zeigte er sich im APA-Gespräch zuversichtlich. Die Mitarbeiter seines Kartenbüros in der Stadt Salzburg befinden sich seit September 2020 in Kurzarbeit, „auch der Fixkostenersatz funktioniert“.

Von Jammern hält der Salzburger Unternehmer nichts. Die Regierung bemühe sich nach Kräften, den Unternehmern zu helfen. Betriebe, die vor der Corona-Pandemie gesund waren, würden die Möglichkeit bekommen zu überleben. „Wir haben jetzt einen Antrag auf Umsatzersatz für mittelbar betroffene Unternehmen gestellt. Der ist noch frisch.“ Die Hoffnung, auch hier eine finanzielle Unterstützung zu bekommen, ist groß.

Die Situation in den Kartenbüros generell bezeichnete Berer allerdings als fatal. Durch den Veranstaltungsstopp gebe es so gut wie keine Umsätze mehr. Der Umsatzverlust im Vorjahr liege auch bei seinen Kartenbüro-Kollegen bei mindestens 80 Prozent. „Momentan sind die Kartenbüros extrem von der Pandemie getroffen.“

Die Planbarkeit sei schwierig. „Die Kunden wollen wissen, mit welchen Auflagen sie die Veranstaltungen besuchen können.“ Und das sei derzeit noch unklar. Berer bietet auch klassische Konzerte auf der Festung Hohensalzburg an. Vor der Pandemie seien es ab Anfang April 300 Konzerte im Jahr gewesen. Im Corona-Jahr 2020 habe er hier von Juni bis Oktober einen knapp sechsstelligen Verlust eingefahren. Wegen der Pandemie seien Gäste aus den USA, aus Australien, Asien, Südkorea und Japan ausgeblieben.

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Die Festungskonzerte habe er im Vorjahr dennoch nicht abgesagt, weil die Künstler dringend Arbeit benötigten. Da der Gast bei diesen Konzerten sehr spontan entscheide, werde sich wegen der derzeit geltenden Reisebeschränkungen und der noch unklaren Situation über mögliche Öffnungsschritte, Eintrittstests auch für die Gastronomie und Hotellerie sowie die Anrechnung einer Corona-Impfung vermutlich nicht viel ändern. „Erstmalig haben wir heuer da keine konkrete Planung. Es gibt auch so gut wie keine Vorbuchungen am deutschen Markt. Wenn der nicht bald aufmacht, ist die Saison verloren.“

Die oberste Devise lautet für Berer jetzt einmal Durchhalten. Was den internationalen Reisesektor betrifft, „sehen wir frühestens im Herbst Licht am Horizont“. Er erwartet sich ab Mitte September eine Besserung. In diesem Jahr setzt er seine Hoffnung in Nahmärkte wie Deutschland, Schweiz und Holland.

Von den Mitarbeitern seines Kartenbüros, die zeitlich unbefristete Verträge haben, wurde niemand gekündigt. „Sie sind in Kurzarbeit. Wir brauchen in dieser Branche qualifiziertes Personal. Der Gast will eine fundierte Beratung.“ Der Ticket Shop in der Getreidegasse hat seinen Schwerpunkt im klassischen Bereich und hat sich auf den Verkauf von Karten für die Salzburger Festspiele spezialisiert. „Man kann nur hoffen, dass die Festspiele heuer in einem halbwegs vernünftigen Rahmen stattfinden. Die Kunden lechzen definitiv nach Kultur.“

Der Kartenvorverkauf für die Salzburger Festspiele in diesem Sommer laufe seit Jänner überraschend gut. „Die Festspiele sind in Zeiten der Pandemie ein unglaubliches Zugpferd.“ Viele deutsche Gäste kommen zu den Festspielen, „das ist ein großer Markt“. Der positive Druck der Kunden, die sich im Sommer bereits Erleichterungen bei den Corona-Maßnahmen erwarten, stimme ihn zuversichtlich. Von den 1.000 Festspielkarten, die sein Kartenbüro heuer gekauft habe, seien bereits an die 80 Prozent verkauft worden.

Der Kartenbüro-Betreiber konnte damit Stammkunden aus Deutschland und Österreich bedienen. „Ich gehe die Sache vorsichtig an, mir ist lieber, wenn die Karten alle verkauft sind. Wir haben noch nachbestellt und werden sehen, was wir noch bekommen können.“ Karten für die diesjährigen Osterfestspiele habe er vorsichtshalber keine im Angebot. Das sei ihm aufgrund der derzeit noch geltenden Corona-Maßnahmen wie Reisebeschränkungen viel zu riskant gewesen.

Berer betreibt in Salzburg auch die touristische Salzach-Schifffahrt mit dem Panorama-Boot „Amadeus“ und dem Amphibienbus. Auch dieser Teil der Unternehmensgruppe sei finanziell nicht gefährdet, schilderte er. Auf diesem Sektor ist ein Start zu Ostern geplant, hier hofft man vor allem auf österreichische Gäste.


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