Nichts gelernt? Tiroler Landtag dreht sich im Corona-Rückspiegel

LH Günther Platter mühte sich gestern in einer erneuten Aufarbeitung der Lehren aus Ischgl, die Opposition im Versuch, selbige zu widerlegen.

Die Corona-Causa Ischgl bleibt auch weiterhin im politischen Rückspiegel des Landtages gut sichtbar.
© zeitungsfoto.at, Reuters; Montage: TT

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Vieles, was gestern in einer emotionslos gehaltenen Fragestunde zur Aufarbeitung der Corona-Causa Ischgl, aber auch der politischen wie organisatorischen Lehren daraus gesagt wurde, hatte den Charme einer Schallplatte, die seit Monaten an derselben Stelle hängen geblieben ist. Man kennt den Rhythmus, in welchem die Opposition zum Angriff bläst, und weiß in akkurater Reihenfolge, in welcher Tonlage Schwarz-Grün wann zum Abwehrkampf ins Horn stößt. Das, was gestern mit Blick in den Rückspiegel des ersten Jahres der vielfach kritisierten Pandemiebekämpfung in Tirol noch an politischem Kleingeld zu wechseln versucht wurde, drehte sich letztlich doch nur im Kreis. Ganz nach Karl Valenti­n: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“

Angestoßen hatten die Debatte die NEOS. „Aus den Fehlern nichts gelernt?“, lautete das Anfragemotto, das Landeshauptmann Günther Platter und sein Krisenteam wohl aus der Reserve locken sollte. Achtung Spoiler: tat es nicht.

Die Empfehlungen der Rohrer-Kommission zum Ischgl-Versagen nicht umgesetzt, die Öffentlichkeitsarbeit nicht umgestellt, das Image Tirols noch nicht zurechtgerückt: Der pinke Landesobmann Dominik Oberhofer warf Platter ein ums andere Mal vor, eben nichts aus den vergangenen zwölf Monaten gelernt zu haben. Dem wollten freilich Oberhofers Kollegen aus der Opposition um nichts nachstehen. SP-Klubobmann Georg Dornauer untermauerte das Versagen der Landesführung in der Pandemiebekämpfung mit einem Verweis auf eine gestern präsentierte internationale Studie zu dem aus Ischgl, aber auch in Folge der Mutationsdebatte zu Mayrhofen resultierenden Reputationsschaden Tirols,

Ischgl, so feuerte LA Markus Sint (Liste Fritz) Richtung Regierungsbank, stehe synonym für das Versagen in Tirol. Auch dieser Vorwurf ist nicht neu. Ein Hauptgrund sei das „miserable Kommunikationsmanagement“. Das oppositionelle Sperrfeuer schloss FP-Chef Markus Abwerzger, der zwar eingestand, dass der ständige Querverweis auf Ischg­l auch nichts bringe, das Land aktuell aber entgegen der Regierungsmeinung alles andere als gut dastehe.

Platter, sekundiert in Einzelfragen von LHStv. Josef Geisler (VP; Rohrer-Bericht), Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP; Schutz der Heime) und Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne; psychosoziale Vorsorge), konterte. Ein ums andere Mal. Sozusagen mit einem „Best of“ aus jenen Verteidigungsreden, die er in den vergangenen Wochen und Monaten bereits bei so vielen Anlässen und Gelegenheiten an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Der Landtag war nur eine davon. Nein, man habe sehr wohl in der Krise dazugelernt und die Empfehlungen der Rohrer-Kommission beherzigt, verwies Platter u. a. auf den gestern vorgelegten Evaluierungsbericht. Ein neuer werde Mitte April aufgelegt, der Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Die Bekämpfung der südafrikanischen Mutation sei eine Erfolgsgeschichte und man sei beileibe „nicht auf einem Pulverfass gesessen“. Und ja, die Grenzschließungen zu Deutschland müssten weg. An einer Imagereparatur arbeite man. Zuerst müsse aber die Einstufung Tirols als Virusmutationsgebiet weg. Auch das hat Tirol schon des Öfteren gehört.


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