Erneut Razzien und Festnahmen in Myanmar

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In Myanmar sind Sicherheitskräfte am Mittwoch erneut mit brutaler Gewalt gegen Demonstrierende vorgegangen. Besonders bedrohlich war die Situation im Stadtteil North Okkalapa in der größten Stadt Yangon, wo das Militär Teilnehmer einer Kundgebung zunächst einkesselte und viele anschließend festnahm, wie Augenzeugen berichteten. Anrainer in dem Viertel versuchten laut Lokalmedien die Straßen zu blockieren, damit das Militär die Inhaftierten nicht abtransportieren konnte.

„Als das Militär die Protestaktion gesehen hat, wurde Nachschub angefordert. Dann haben sie die Leute umzingelt“, sagte ein Augenzeuge, der anonym bleiben wollte, der Deutschen Presse-Agentur. „Danach haben sie begonnen, die Demonstranten festzunehmen, hauptsächlich junge Menschen und Studenten.“ Einige Anrainer seien bei ihren Versuchen, die Einsatzkräfte zurückzuhalten und den Demonstranten zu helfen, verletzt worden. „Myanmar Now“ sprach von mindestens 200 Verhaftungen.

Über mögliche Todesopfer gab es aber zunächst keine Angaben. In der Stadt Myingyan wurden nach Informationen des Online-Portals Mizzima News mindestens zwei Menschen durch Gummigeschosse schwer verletzt. Zudem soll die Polizei Tränengas eingesetzt und Barrikaden zerstört haben. „Ich appelliere an alle Menschen in Yangon, auf die Straßen zu gehen“, sagte ein 24-jähriger Demonstrant, der anonym bleiben wollte. „Der Putsch ist im Begriff zu scheitern, und wir werden siegen.“

Die Sicherheitskräfte führten auch wieder Razzien durch, unter anderem in Unterkünften von Angestellten der Bahn. Viele Eisenbahner haben sich der Bewegung des zivilen Ungehorsams (CDM) angeschlossen, die die Proteste anführt. Deshalb sind sie besonders im Visier der Militärs. Es gab Festnahmen, viele Menschen seien auf der Flucht, berichteten Augenzeugen.

Die US-Botschaft in Yangon twitterte am Mittwoch: „Es gibt Berichte, wonach unschuldige Studenten und Zivilisten in North Okkalapa von Sicherheitskräften umzingelt und auch festgenommen wurden. Wir rufen die Sicherheitskräfte auf, sich aus der Region zurückzuziehen, die Festgenommenen freizulassen und die Leute sicher gehen zu lassen.“

Auch die Delegation der Europäischen Union in Myanmar äußerte sich mit Sorge: „Während der Einsatz von Gewalt in North Okkalapa und anderen Gemeinden in Yangon zunimmt, fordern wir die Sicherheitskräfte auf, allen zu ermöglichen, friedlich zu ihren Häusern zu gelangen.“

Der UNO-Sicherheitsrat in New York konnte sich am Dienstagabend nicht auf eine Verurteilung des Putsches und des massiven Vorgehens gegen Demonstrierende einigen. Die zur Diskussion stehende Stellungnahme hätte die Militärmachthaber zur Zurückhaltung aufgefordert und die Drohung enthalten, „weitere Maßnahmen“ zu prüfen. Die Beratungen würden aber vermutlich fortgesetzt, sagten Diplomaten.

Seit dem Umsturz durch das Militär Anfang Februar kommt es immer wieder zu Massenprotesten. Die Demonstranten fordern die Freilassung der entmachteten und festgesetzten Regierungschefin Aung San Suu Kyi sowie die Wiedereinsetzung ihrer gewählten Regierung. Polizei und Militär gehen dabei mit zunehmender Brutalität vor. Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge wurden seit Beginn der Proteste mehr als 60 Menschen getötet. Annähernd 2.000 wurden zumindest vorübergehend festgenommen.


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