Tiroler in Pädophilenskandal verwickelt: Zu neun Jahren Haft verurteilt

Bei der Ausforschung eines Kinderschänderrings in Deutschland stießen die Ermittler auch auf einen 31-jährigen Tiroler. Dieser wurde Freitagmittag vom Schöffensenat zu neun Jahren Haft verurteilt.

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Der 31-Jährige mit Verteidiger Stefan Gamsjäger am Freitag vor dem Innsbrucker Landesgericht.
© Rudy De Moor

Innsbruck – Das Innsbrucker Landesgericht wurde am Freitag zum Nebenschauplatz des Pädophilenskandals von Münster in Deutschland. Unter den 26 mittlerweile ausgeforschten Verdächtigen befand sich auch ein Tiroler aus dem Bezirk Innsbruck-Land, der sich für seine Taten verantworten musste. Der 31-Jährige wurde Freitagmittag zu neun Jahren Haft verurteilt.

Ihm wurde vorgeworfen, gemeinsam mit abgesondert Verfolgten „in mehreren Fällen unmündige Buben schwer sexuell missbraucht zu haben, kinderpornografische Dateien abgespeichert und sich teils schicken lassen zu haben", fasste das Landesgericht die Vorwürfe zusammen.

Der Mann zeigte sich vor dem Schöffensenat unter Richter Norbert Hofer geständig und reuig. Da die Qualifikation einer besonderen Erniedrigung des Opfers angenommen wurde, betrug der Strafrahmen fünf bis 15 Jahre Haft. Richter Hofer betonte bei seiner Urteilsbegründung, dass es für einen derartigen Missbrauch von Kindern an sich keine gerechte Strafe gebe. „Was ist das Leben eines Kindes wert? Es gibt keine Antwort darauf", so Hofer.

Aufgrund der Erkrankung an Pädophilie, der Reue, der Unbescholtenheit und eines letztlich untergeordneten Tatbeitrags beim Pädophilenring von Münster blieb die Haftstrafe noch unter zehn Jahren. Der Angeklagte nahm das Urteil sofort an. Die Staatsanwaltschaft gab kein Erklären ab, somit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

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Hinweise kamen aus Deutschland

Die Hinweise, die zur Festnahme des Einheimischen führten, kamen laut Staatsanwaltschaft aus Deutschland. Und zwar aus Nordrhein-Westfalen – dort ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft seit 2018 gegen den Pädophilenring, mit dem der Tiroler jetzt in Verbindung gebracht wird. Von zunächst unbekannten Tätern im Internet angebotene Kinderpornos waren der Auslöser für die Nachforschungen. Die Beamten haben mittlerweile über 20 Verdächtige identifiziert und 500 Terabyte professionell verschlüsselter Videoaufnahmen im Keller des Hauptverdächtigen sichergestellt. Der bislang entschlüsselte Inhalt sorgte nicht nur in Deutschland für Entsetzen. Ermittlungsleiter Joachim Poll sprach schon im Juni von „unfassbaren“ Bildern.

Bereits im April sollen der Hauptverdächtige, ein 27-jähriger IT-Techniker aus Münster, und drei weitere Deutsche zwei Kinder (fünf und zehn Jahre) unter Drogen gesetzt und tagelang in einer Gartenlaube sexuell missbraucht haben. Ein Bub war der Sohn der Lebensgefährtin des Hauptbeschuldigten. Den Fünfjährigen hatte der eigene Vater mitgebracht und seinen Freunden bei der Geburtstagsfeier zur Verfügung gestellt. Auf einem 30-stündigen Video hielt der 27-Jährige das unvorstellbare Martyrium der Kinder fest. Auf den im Juni sichergestellten Datenträgern waren auch Vergewaltigungen von weiteren Opfern zu sehen. Sieben Kinder sind mittlerweile identifiziert.

Prozess gegen Hauptverdächtigen läuft seit Monaten

Bei der Auswertung des umfangreichen Datenmaterials stießen die deutschen Ermittler auch auf den Tiroler. Im Herbst erfuhr auch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft davon. Anfang Oktober wurde der 31-Jährige in U-Haft genommen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

In Deutschland haben bereits Prozesse gegen Beschuldigte begonnen. Im November wurde der erste Angeklagte zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Die milde Strafe sorgte für Diskussionen. Der Prozess gegen den bereits einschlägig vorbestraften Hauptverdächtigen, dessen Mutter (als Mitwisserin) und seine drei Freunde aus der Gartenlaube läuft schon seit Monaten. Laut Medienberichten sind im Mai die Urteile zu erwarten. (tom, felli, TT.com)


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