Immer mehr Sportjournalistinnen: Das Mikro ist beim Fußball in Frauenhand

Der „Transfer“ von Fußballmoderatorin Esther Sedlaczek von Sky zum ARD begeistert derzeit die deutschen Fußballfans. Aber auch in Italien, Österreich und Amerika sind Sportjournalistinnen beliebt und stellen ihre Kollegen in den Schatten.

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Helge Payer, Peter Schoettel (AUT) and Kristina Inhof (ORF).
© ORF

Berlin – Auf der Face­bookseite der ARD-„Sportschau“ herrscht immer noch große Begeisterung unter einem Foto von Sportmoderatorin Esther Sedlaczek, denn vor etwas mehr als einer Woche verkündete der Fernsehsender mit diesem Bild, dass die 35 Jahre alte Sportjournalistin vom Pay-TV-Sender Sky abgeworben wurde und ab der neuen Fußballsaison durch die Sendung „Sportschau“ im Ersten führt. Sie ersetzt Matthias Opdenhövel im Moderatorenteam.

Kommentare wie „Absolut kompetente Moderatori­n. Freu’ mich drauf. Höre ihr immer sehr gerne zu. Unaufgeregt und sachkundig, so wie das sein soll“ oder „Super Besetzung, sie hat immer einen tollen Job gemacht“ häuften sich. Der Post hatte mit knapp 17.000 Reaktionen bis zu zehnmal so viele Kommentare und Gefällt-mir-Angaben wie andere Beiträge in den vergangenen Wochen auf der Seite. Vor allem Männer meldeten sich zu Wort.

Seit zehn Jahren Reporterin und Moderatorin

Neben der Moderation der „Sportschau“ am Samstag und am Sonntag soll Sedlaczek auch bei Fußball-Liveübertragungen eingesetzt werden.

Die in Berlin geborene Sedlaczek arbeitet seit rund zehn Jahren bei Sky als Reporterin und Moderatorin. „Ich bin sehr stolz, die Nachfolge von vielen tollen Moderatorinnen und Moderatoren anzutreten“, sagte sie zu ihrer neuen Aufgabe.

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Esther Sedlaczek.
© www.imago-images.de

Der Wechsel von Sedlaczek bedeute, dass die „Sportschau“ „weiblicher werde“, sagte der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow in einer Mitteilung: „Zum ersten Mal haben wir ab Sommer im 18-Uhr-Team am Samstag mehr Moderatorinnen als Moderatoren im Einsatz.“ Zum Team der „Sportschau“ gehören außerdem Jessy Wellmer und Alexander Bommes.

„Damit sind wir unserem Ziel, den Anteil an Frauen auch in der Sportberichterstattung des Ersten weiter zu erhöhen, wieder einen Schritt näher gekommen“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Seit 2019 kommentiert Stephanie Baczyk als erste Frau auch Spielberichte der 1. Bundesliga in der „Sportschau“ – rund 20 Jahre nach dem Debüt von Anne Will als Moderatorin der traditionsreichen Sendung.

Für die Fans von Sedlaczek ist im Netz klar, dass die Verpflichtung der Moderatorin nicht wegen der Frauenqoute erfolgte, sondern wegen ihrer guten Arbeit. „Sie ist immer gut informiert und macht sehr gute Arbeit auf professioneller Ebene!“, schreibt z. B. ein User.

Frauen erobern immer mehr die Mikros am Spielfeldrand

Aber auch in anderen Ländern erobern Frauen mit dem Mikro den Spielfeldrand. In Italien gehört mit Diletta Leotta derzeit eine Frau zu den bekanntesten und einflussreichsten Sportmoderatoren überhaupt.

Die 29-Jährige hat bereits im Alter von 17 Jahren erste Erfahrungen in der Fußballmoderation gesammelt. Für die Saison 2015/16 holte Sky die Moderatorin dann für die Serie B – Italiens zweithöchste Spielklasse – ins Team.

Der endgültige Durchbruch gelang der Sizilianerin im Oktober 2018, als sie beim Sportstreamingdienst DAZN ihre eigene Sendung bekam. Ein Jahr später folgten mit „Dilett­a gol stories“, „Diletta gol in campo“ und „Linea Dilett­a“ weitere Sendungen.

Cristiano Ronaldo erhielt von Diletta Leotta die Auszeichnung des Spielers des Jahres 2019 bei der „Gran Galà del Calcio“.
© www.imago-images.de

Abseits des Fußballfeldes sorgt sie auch immer wieder für Schlagzeilen. Vergangenes Jahr durfte sie sogar das berühmte italienische Musikfestival Sanremo mit Amadeus moderieren.

Frauen in Männerdomäne

Weniger rühmlich war hingegen eine Anekdote aus dem Jahr 2016. Ihr Handy wurde gehackt und es tauchten Nacktfotos im Internet auf. Die meisten Fotos entpuppten sich aber als Fake.

Ihrer Beliebtheit hat der Vorfall jedenfalls nicht geschadet. Auf Instagram folgen Leotta nun schon über 7,5 Millionen Menschen.

So wie Sedlaczek und Leotta in Europa zum Fußball gehören, hat sich Melanie Collins in Amerika bei der Footballberichterstattung etabliert. Für den US-Sender CBS steht sie bei NFL-Spielen an den Spielfeldrändern und berichtet aus einer der größten Sportligen der Welt. Zuvor war sie bei Yahoo! Sports auch für die Olympischen Winterspiele, die Fußballweltmeisterschaft, den Super Bowl oder Eishockey zuständig.

Melanie Collins holt Stars wie Ryan Tannehill ans Mikrofon.
© imago sportfotodienst

Mit Kristina Inhof gehört auch hierzulande ein­e Moderatorin zur heimischen Bundesliga seit Jahren dazu. Von 2012 bis 2015 moderierte sie noch bei Puls4 die Champions League mit. Anfang 2016 wechselte sie ins Fußball-Team des ORF.

Leicht war es für Inhof jedoch nicht, in der Männerdomäne Fuß zu fassen. In einem Interview erzählte die 32-Jährige einmal, wie sie anfangs als weiblicher Fußball-Experte hervorstach und sich beweisen musste, indem sie „als Blondine“ wiederholt die Abseitsregel erklären musste.

Die Zeiten sind vorbei. Ihr Talent wurde schnell erkannt. Sie bekam daher die Chance, in anderen Formaten wie zuletzt bei „Dancing Stars“ ihr Können unter Beweis zu stellen. Vielleicht erwarten Sedlaczek beim ARD auch neue Aufgaben. (m.l., dpa)


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