Kunst Haus Wien widmet sich dem Wildfluss Tagliamento

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Von der Sintflut ins Flussbett: Mit der Ausstellung „Anamnese einer Landschaft“ in der Garage des Kunst Haus Wien nimmt der aus Kärnten stammende Künstler Herwig Turk ein Stück Natur sprichwörtlich unter die Lupe. In seiner fotografischen Auseinandersetzung mit der Flusslandschaft des Tagliamento widmet er sich einem der wenigen nicht regulierten Flüsse Mitteleuropas und knüpft somit auch an die Hauptschau „Nach uns die Sintflut“ rund um den Klimawandel an.

Seine über vier Jahre entstandene Annäherung an die weitläufig mäandernden Kies- und Sandbänke des norditalienischen Wildflusses präsentiert Turk im Rahmen einer begehbaren Installation, die dem Besucher das Ökosystem der sich je nach Jahreszeit durch das Wasser dynamisch verändernden Landschaft näher bringt. Dabei geht es ihm aber nicht nur um das Wasser und die Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch die Menschen, die an den Ufern des Flusses leben. So hat er, wie er im Gespräch mit der APA erzählt, nicht nur mit einem vor Ort ansässigen Ökologen gesprochen, sondern auch mit einer Aktivistin und einem von Schutzmaßnahmen betroffenen Gärtner. Die drei kommen auf einem Bildschirm im Eingangsbereich zu Wort, während im Hintergrund das Rauschen des Flusses von einer vierteiligen Video-Installationen den Raum füllt.

Im Wechselspiel von Panorama- und Detailaufnahmen zeichnet Turk so ein Bild zwischen Naturschauspiel und menschlicher Intervention. Zwischen zarten Pflänzchen und angespültem Holz finden sich in den Bildern etwa Reste von beim Erdbeben von 1976 zerstörten Häusern, Pfeiler von den Autobahn- und Eisenbahnbrücken oder Spuren der kriegerischen Auseinandersetzungen im Ersten Weltkrieg. Dabei greift er auch den Ausstellungstitel der Anamnese medial auf: So finden sich seine großformatigen Fotografien auf einem umgebauten Krankenhaus-Paravent oder mehreren Röntgenleuchtkästen, die - mit einer Lupe versehen - zum genaueren Hinschauen einladen. Immer wieder beleuchtet er die Landschaft schemenhaft auf an der Wand lehnenden Siebdrucksieben.

„Jeder, der einmal nach Venedig oder an die Adria gefahren ist, kennt die Landschaft des Kanaltals und hat diese unberührte Landschaft gesehen und war vielleicht irritiert, da wir eigentlich nur mehr regulierte Flüsse gewöhnt sind“, erläutert Kunsthaus-Direktorin Bettina Leidl im Gespräch. Die Vielfältigkeit der Landschaft, die Turk porträtiere, spiegle sich auch in seinen Arbeiten wieder. Ein Blick darauf mache bewusst, welche Landschaften - etwa durch die Regulierung der Donau - „uns im Lauf der Zeit verloren gegangen sind“, so Leidl. „Das ist ein Werkkomplex, den wir hier gerne ausstellen.“

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