Opposition stichelt gegen Impfpläne der Landesregierung

Dass Schwarz-Grün erst gestern mit einer dringlichen Regierungsvorlage im Landtag das Impfkonzept u. a. finanziell absicherte, sorgte für Wirbel.

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„Wir dürfen nach einem Jahr Pandemie jetzt nicht unseren Optimismus verlieren.“ LH Günther Platters (VP) Appell gestern vor dem Landtag.
© Thomas Boehm / TT

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Dieses Trio kennt man aus den vergangenen Tagen bereits zur Genüge: Testen, tracen, impfen. Das ist jene dreistufige Strategie, mit welcher Tirol weg vom Corona-Wahn und auf den Weg in Richtung Normalität kommen will. In der Aktuellen Stunde des Tiroler Landtags versuchte Landeshauptmann Günther Platter (VP) diese Strecke für die Abgeordneten nachzuzeichnen.

Platters Fokus lag freilich (auch aufgrund der gestern gestarteten Durchimpfung des Bezirks Schwaz; siehe Seite 3 und 5) auf dem Impfen. Bereits in der kommenden Woche soll Tirol in die zweite Impfphase eintreten. Das heißt, dass ab diesem Zeitpunkt alle über 65-Jährigen sowie Risikogruppen und in Folge Kindergarten- und Schulpersonal an der Reihe sind. Sofern sie auch wollen. Platter erneuerte sein Versprechen an die Tirolerinnen und Tiroler: Bis zum Sommer werde ein jeder Impfwillige „zumindest die erste Teil­impfung“ erhalten haben. Das wäre dann sozusagen der Abschluss von Phase drei.

Eine schwarz-grüne Aussicht auf den ersten Stich – dagegen musste die Opposition schier naturgemäß ansticheln. Tirol möge Weltmeister im Testen sein, Impfweltmeister sei man bis dato verlässlich keiner, schalt Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider die Regierungsbank. Die Sommer-Ankündigung Platters sei eine leere: „Wir werden im Schneckentempo bleiben.“

Einen Impfstillstand will auch SP-Klubobmann Georg Dornauer in seiner Funktion als „einfacher Landbürgermeister“ verspüren. Er warf der Regierung vor, bis vor Kurzem noch 80-Jährige über ihr­e Impftermine im Unklaren gelassen zu haben. Schon gar nicht sei man auf den „Ketchup-Effekt“ – also die plötzliche Masse an Impf­dosen, die für die kommenden Wochen aus Wien angekündigt ist – vorbereitet. Stattdessen würden bereits „die Geier über dem politischen Erbe Platters kreisen“.

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Während sich die Freiheitlichen darauf einschossen, dass die bisherigen Corona-Restriktionen „größere Schäden anrichten werden als es das Virus je in der Lage wär­e“, pflichteten die NEOS der SP-Argumentation der bisherigen Planlosigkeit auf Regierungsseite bei. Dass Schwarz-Grün nämlich erst gestern per dringlicher Regierungsvorlage (siehe Infokasten) das Tiroler Impfkonzept hinsichtlich Aufbau, Organisation und Ausstattung vom Landtag finanziell habe absegnen lassen, sei „ein Skandal“, wie es LA Andreas Leitgeb mit Empörung formulierte.

Zwölf Millionen Euro soll demnach das Gratis-Impfprogramm bis Ende des Jahres verschlingen. Ein Betrag, der womöglich zu gering bemessen sein könnte, wie gut unterrichtete Kreise gestern mutmaßten. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) rechtfertigte das späte Zustandekommen der Regierungsvorlage und die darin enthaltene Kostentragung mit Verweis auf gesetzliche Vorgaben des Bundes, auf welche man habe warten müssen. Dass es für die zweite und dritte Impfphase noch viel zusätzliches Personal benötige, sei ebenso klar und mit allen „gut abgestimmt“.

Grünen-Klubobmann Geb­i Mair sieht insbesonder­e die Zeit zwischen erster und zweiter Impfdosis als gesellschaftspolitische Herausforderung: „Es wird nicht ab morgen wieder Party sein – das wird man auch den Schwazern sagen müssen.“


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