Lockdown kostete Brauereien 170 Millionen „halbe Bier“

Brauereien blieben wegen Gastro-Sperren und Veranstaltungsverboten auf tonnenweise Bierfässern sitzen. Sie fordern nun die Biersteuer zurück.

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Der Ausfall der Wintersaison kommt auch die Brauereien teuer zu stehen.
© Böhm

Wien – Restaurants, Hotelbars und Après-Ski-Lokale geschlossen, Zeltfeste, Konzerte und andere Großveranstaltungen verboten – 170 Millionen „große Bier“ haben Österreichs Brauereien im Corona-Jahr 2020 weniger verkauft als üblich. Für die Bierbrauer bedeutete das ein Minus von 46 Prozent bzw. einen Verlust von über einer halben Milliarde Euro, sagte Siegfried Menz, Obmann des Brauereiverbandes.

Vor allem in den Skigebieten ist viel Bier übriggeblieben. Die vielfach bereits im Herbst eingelagerten Fässer auf Almhütten und Co. wurden nach und nach wieder an die Brauereien zurückgeschickt, schildert Menz, doch bei abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum könne man das Bier nicht mehr verkaufen, selbst wenn die Qualität des Gerstensafts noch völlig in Ordnung ist, merkt er an. In Österreich hätten daher meist die Mitarbeiter das Bier bekommen.

Ein Dilemma sei hier die Biersteuer. Wird das Bier nämlich nicht weggeschüttet, bekommen die Brauereien die bereits bezahlte Biersteuer auch nicht rückerstattet. „Wir wollen kein Bier wegschütten, aber wir wollen auch die bereits bezahlte Biersteuer zurück“, so der Brauereien-Sprecher. In Österreich mussten Brauereien zwar bereits Bier wegschütten, allerdings nicht in dem Ausmaß wie in Großbritannien, wo angesichts geschlossener Pubs rund 50 Millionen Liter Bier vernichtet wurden.

Menz fordert generell eine Halbierung der Biersteuer auf das Niveau in Deutschland und kritisiert auch die schleppenden Hilfen für die von den Corona-Lockdowns indirekt betroffenen Betriebe, wie eben die Bierbrauer. „Wir wurden von einem Großteil unserer Kundschaft behördlich abgeschnitten. Da muss es die Bereitschaft geben, den Schaden gering zu halten und weniger zu diskutieren“, meint der Ottakringer-Chef. Die Hilfen seien zu bürokratisch und zu schwerfällig. „Besonders für die Fixkosten braucht es einfachere und schnelle Lösungen. Und sollte dann jemand fünf Euro zu viel an Hilfen bekommen haben, dann zahlt er sie halt irgendwann wieder zurück.“

Die Brauereien gehen nicht von einer besonders raschen Erholung aus. Die Produktion werde „nicht vor Mitte oder Ende des nächsten Jahres“ wieder zur Normalität zurückkehren.

Die mehr als 300 Brauereien in Österreich haben 2020 rund 9,6 Mio. Hektoliter Bier im In- und Ausland abgesetzt (-4,2 %) und einen Umsatz von ungefähr 1,4 Mrd. Euro erwirtschaftet. „Die Pandemie hat uns um gute 20 Jahre zurückgeworfen“, sagt Menz. Seit der Jahrtausendwende sei der Inlandsausstoß nicht mehr so niedrig gewesen wie im vergangenen Jahr.

Der Pro-Kopf-Bierkonsum dürfte in der Pandemie gesunken sein, aber weiter bei rund 100 Litern pro Person pro Jahr liegen. Den größten Marktanteil hat die Heineken-Tochter Brau Union mit ihren Marken Gösser, Zipfer, Kaiser, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Schladminger und Edelweiss. (mas, APA)


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