Burtscher im TT-Gespräch: „Europäische Agrarpolitik grüner machen“

Der Generaldirektor für Landwirtschaft der Europäischen Kommission, Wolfgang Burtscher, zur Zukunft der europäischen Agrarpolitik.

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Wolfgang Burtscher plädiert für eine ökologische, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit mit verstärkter Biodiversität.
© EU

Innsbruck – Anfang März war Wolfgang Burtscher Gastredner einer Online-Veranstaltung des Management Centers Innsbruck (MCI). Der Jurist ist seit letztem Jahr Generaldirektor für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in der EU-Kommission. Burtscher plädierte in seinem Vortrag für eine nachhaltigere Landwirtschaft und nahm auch zur Kritik an der europäischen Agrarpolitik Stellung.

Welches Gewicht die Landwirtschaft habe, zeige sich nicht zuletzt an den zur Verfügung stehenden Mitteln, so Burtscher. Mit 387 Mrd. Euro für die nächsten sieben Jahre habe der Agrarbereich das größte Budget, das es aber zielgerichtet und nachhaltig zu verwalten gelte. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen – nach den von der Kommission 2018 definierten agrarpolitischen Kernelementen – etwa 40 % der Mittel jenen Fördermaßnahmen zugutekommen, die Biodiversität und Klimawandel beachten, und etwa 20 bis 30 % solchen, die bisherige ökologische Voraussetzungen zu Tier- und Naturschutz übertreffen. Die Direktzahlungen für Österreich betragen dabei 700 Mio. Euro.

Die immer lauter werdenden Rufe nach Regionalität und die Kritik an der EU-Agrarpolitik sieht Burtscher differenziert. „Dank der Kombination aus europäischer landwirtschaftlicher Produktion und globalem Handel herrscht in Österreich sowie in Europa Lebensmittelsicherheit“, so der Jurist. Dies dürfe aber nicht mit einer Selbstversorgung verwechselt werden. Obwohl Letztere mit regionaler Produktion und lokaler Wertschöpfung eine gute Entwicklung gezeigt habe, sei es unverzichtbar, den Binnenhandel als Teil dieses Gefüges zu betrachten. Dabei seien Produktions- und Futtermittelimporte ebenso essenziell wie der Export heimischer Überproduktion, und zwar stets unter Beachtung des globalen ökologischen Fußabdrucks und mit „diszipliniertem Bedacht auf Nachhaltigkeit“.

Auch die zuletzt wieder aufgeflammte Diskussion um die Zulassung von Pestiziden lässt er so nicht gelten. Burtscher hält es für essenziell, auch jene Schritte zu würdigen, welche die EU-Kommission bereits in ihrer „From-Farm-to-Fork“-Strategie dargelegt habe: eine Reduktion der Pestizide um 50 %, des Düngeeintrags um 20 % und der mikrobiellen Resistenz um 20 %. Dazu komme eine massive Förderung des biologischen Landbaus (45 % der Flächen bis 2030). Im Gegenzug müsse aber auch die allgemeine Wertschätzung in der Gesellschaft für die Leistung landwirtschaftlicher Produktion steigen. (TT)

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