Umgang mit AstraZeneca: Neue Unsicherheit quert den Impfplan

Tirols Hausärzte bekommen nächste Woche AstraZeneca in die Ordinationen – für ab 70-Jährige. Impfrückzieher werden wegen des Imageschadens befürchtet. Dazu gibt es zu Überlingen neue Fragen.

Impfen, impfen, impfen: Dass einzelne EU-Länder mit AstraZeneca verschieden umgehen, ist für ein Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung nicht hilfreich.
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Von Liane Pircher

Innsbruck – Dass der Impfstoff von AstraZenec­a zuletzt wegen mehrerer Vorfälle einen Imageschaden erlitten hat, ist unbestritten (die TT berichtete). Dass dies aktuell in der Bevölkerung für Verunsicherung sorgt, sieht auch die Wiener Impfexpertin Reingard Grabherr so: „Wenn es derzeit aufgrund der Medienberichte zu Verunsicherungen kommt, ist es natürlich berechtigt, sich hier Gedanken zu machen und auch Bedenken zu haben.“

Gleichzeitig räumt Grabherr – die für die Bundesregierung Info-Broschüren zu den für Europa zugelassenen Impfstoffen erarbeitete – ein: „Wichtig ist, das Gesamtbild nicht aus den Augen zu verlieren. Es wurden bereits 15 Millionen Menschen in Europa mit dem AstraZeneca-Impfstoff erfolgreich geimpft. Statistisch gesehen gibt es bei allen Impfungen ein Restrisiko“, so die Professorin für molekulare Biotechnologie.

Das Risiko müsse natürlich so gering wie möglich gehalten werden, jeder noch so kleine Verdacht negativer Auswirkungen müsse untersucht werden. Grabherr: „Das passiert jetzt auch. Niemals in der Geschichte zuvor hat die breite Bevölkerung so genau die Entwicklung und Wirkung von Impfstoffen mitverfolgt und klarerweise führen einzelne Zwischenfälle zu Verunsicherungen. Andererseits ist der Impfstoff als sicher und wirksam eingestuft, was er immer noch ist, wenn wir uns anschauen, wie viele Menschen geimpft wurden“. Aus wissenschaftlicher Sicht seien keine Bedenken zu erkennen. Dass nun selbst Menschen, die sich für eine Impfung angemeldet haben, Bedenken haben, befürchten Tiroler Hausärzte. Diese sollen nächste Woche mit dem Impfen der über 70-Jährigen (Start: 18. März) in den Ordinationen beginnen. Am Freitag bekamen die Ärzte vom Land die Liste mit den Voranmeldungen zu „Tirol impft“.

Die Bürger werden nun kontaktiert: „Die Hausärzte sind bereit. Nach den Vorfällen rund um AstraZeneca sind Impfrückzieher in der Bevölkerung aber nicht auszuschließen“, sagt Herbert Bachler, Hausarzt und Präsident der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Zuletzt gab es bezüglich Auswahl des Impfstoffes Gerüchte rund um den Bezirk Schwaz, wo derzeit BioNTech/Pfizer verimpft wird. Es hieß, dass Überlinge teils an Tiroler aus entfernten Bezirke verimpft werden. Ein Ärztin, die anonym bleiben möchte, spricht gegenüber der TT von „Freunderlwirtschaft“. Auf Nachfrage sagt Elmar Rizzoli, Leiter des Einsatzstabes, dass es sehr wohl eine Priorisierungsliste für Überlinge gebe. Diese Backup-Liste habe Bürger angrenzender Gemeinden, etwa Münster, im Fokus. Sollte es im Einzelfall anders gewesen sein, dann sei das nicht im Sinne des Landes.

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