Gergö Bánkúti in Innsbruck: Ein Fischer im Pool verblassender Erinnerungen

Als erster „artist in residence“ des bilding hat der junge ungarische Künster Gergö Bánkúti sein Atelier nach Innsbruck verlegt.

Gergö Bánkúti mag Kinder und Kinder mögen ihn. In Innsbruck hat der gelernte Maler sein Faible für Ton als Werkstoff entdeckt.
© Foto Rudy De Moor

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Dass Gergö Bánkúti Kinder mag und sie ihn mögen, sieht man auf den ersten Blick, wenn man den jungen ungarischen Maler, Grafiker und Keramiker im Innsbrucker bilding sieht. Wohin der 29-Jährige als erster „artist in residence“ der großartigen Innsbrucker Kunst- und Architekturschule sein Atelier übersiedelt hat. Um hier an seiner Kunst genauso wie mit den jungen TeilnehmerInnen der unterschiedlichen Workshops zu arbeiten.

Ungarischer Staatspreis für Künstler unter 35

Ein Tun, bei dem nicht nur die Kinder, sondern auch er sehr viel lerne, sagt der Budapester Absolvent der Universität der Schönen Künste, der soeben mit dem Derkó Award den wichtigsten ungarischen Staatspreis für Künstler unter 35 gewonnen hat. Verbunden mit einem einjährigen Arbeitsstipendium von 400 Euro pro Monat und einer Ausstellung in der Kunsthalle Budapest. Wo Gergö Bánkúti jene Arbeiten zeigt, die in den vergangenen Monaten hier in Innsbruck entstanden sind.

Neben wunderbar leichtfingrig hingeschriebenen kleinen Tuschzeichnungen auch Keramiken. Auf den Geschmack, mit Ton zu arbeiten, ist er durch die Teilnahme an dem im vergangenen Sommer in Innsbruck ausgetragenen Internationalen Bildhauersymposium gekommen, wo Gabriela Nepo seine von ihm hochgelobte „Lehrerin“ war, von der er alles Notwendige im Zusammenhang mit dieser ihm bisher komplett fremden Technik gelernt habe.

Um sich als Ausdrucksmöglichkeit herauszustellen, die Bánkúti sehr entspricht. Ist er doch ein Erzähler von Geschichten, in denen Reales und Irreales auf oft surreale Weise miteinander verbunden ist. Wenn Gedanken Gestalt annehmen, Reales transformiert wird zu oft eigenartig zwittrig Vieldeutigem. Symbol­e, die der Künstler der heimatlichen Volkskunst und religiösen Devotionalien genauso entlehnt wie diversen archaischen Mythologien. Ein ins Hier und Jetzt geholtes Tun, das allerdings spielerisch, bisweilen fast naiv daherkommt, aufgeladen mit viel Ironie und hintergründigem Humor.

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Relikte von gestern dem Vergessen entreißen

„Mein Hauptinteresse gilt der Erforschung des Erinnerns, dem Verblassen von Gefühlen“, sagt Gergö Bánkút­i. Um Relikte von gestern dem Vergessen zu entreißen, indem er sie in einen völlig neue­n Kontext stellt. In Keramik, aber, abhängig vom jeweiligen Thema, auch malend und mit Tusche zeichnend. Denn ein­e grundsätzliche Offenheit kennzeichnet die Persönlichkeit und Arbeitsweise des jungen Ungarn, der sich in Innsbruck überaus wohl fühlt, hier schon viele Kontakte geknüpft hat. Auch an das Arbeiten sozusagen in der Auslage des bilding hat er sich inzwischen gewöhnt, wenn es auch anfangs schon etwas „strange“ gewesen sei, um diese Ausgesetztheit inzwischen fast schon zu genießen.

Ende Juni läuft sein Jahr als „artist in residence“ des bilding ab, er wird diesem allerdings auch im kommenden als wichtiger Mitarbeiter im regulären Programm erhalten bleiben. In einer Ausstellung, von der allerdings noch nicht feststeht, wann und wo sie stattfinden wird, wird Gergö Bánkúti Bilanz über sein erste Innsbruckjahr legen.

Dass ein weiterer artist/eine artistin Bánkúti folgen wird, steht fest. Die Ausschreibung dazu läuft noch bis Ende März und das Interesse von Künstlern und Künstlerinnen praktisch aus aller Welt sei riesig, sagt bilding-Geschäftsführerin Monika Abendstein. Wer das Rennen macht, wird eine Jury entscheiden.


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