Weitere Tote bei Protesten in Myanmar

In Myanmar sind bei Protesten gegen die Militärmachthaber am Sonntag mindestens zwei weitere Menschen getötet worden, nachdem Samstag bereits mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen waren. Der geschäftsführende Chef der abgesetzten Zivilregierung, Mahn Win Khaing Than, erklärte unterdessen in einer auf Facebook veröffentlichten Rede, er werde versuchen, den Menschen gesetzlich das Recht zu verschaffen, sich selbst zu verteidigen.

Laut Zeugen und einheimischen Medien wurde am Sonntag ein junger Mann in der Stadt Bago in der Nähe von Yangon erschossen. Ein weiterer Demonstrant soll laut Nachrichtenagentur Reuters in der Stadt Hpakant im Jade-Bergbaugebiet im Nordosten des Landes getötet worden sein.

Mahn Win Khaing Than, der zusammen mit den meisten hochrangigen Beamten der regierenden Partei der Nationalen Liga für Demokratie auf der Flucht ist, wandte sich am Samstag in einer auf Facebook veröffentlichten Rede an die Öffentlichkeit und sagte: „Dies ist der dunkelste Moment der Nation und der Moment, in dem die Morgendämmerung nahe ist.“ Er kündigte an, die Zivilregierung werde versuchen, die erforderlichen Gesetze zu erlassen, damit das Volk das Recht erhält, sich zu gegen das militärische Vorgehen zu verteidigen.

In der Wirtschaftsmetropole Yangon demonstrierten Hunderte Menschen in verschiedenen Teilen der Stadt, nachdem sie Barrikaden aus Stacheldraht und Sandsäcken errichtet hatten, um die Sicherheitskräfte aufzuhalten. In einem Stadtteil veranstalteten die Menschen einen Sitzprotest unter Planen, die sie vor der harten Mittagssonne schützen sollten. „Wir brauchen Gerechtigkeit“, sangen sie. Sicherheitskräfte feuerten Tränengaspatronen ab und eröffneten dann das Feuer auf Demonstranten im Stadtteil Hlaing Tharyar, sagten Zeugen laut Nachrichtenagentur Reuters. Unbestätigten Berichten zufolge wurde dabei eine Person getötet.

Am Samstag, einem der blutigsten Tage seit dem Putsch vom 1. Februar, wurden laut Zeugen und einheimischen Medien mindestens 13 Menschen bei den Protesten getötet. Fünf Menschen wurden demnach erschossen und mehrere verletzt, als die Polizei bei einem Sitzprotest in Mandalay, Myanmars zweitgrößter Stadt, das Feuer eröffnete, teilten Zeugen Reuters mit. Zwei Menschen wurden in der Innenstadt von Pyay getötet und zwei starben bei blutigen Zusammenstößen mit der Polizei in Yangon, wo drei auch über Nacht getötet wurden, berichteten inländische Medien.

Die Sicherheitskräfte verhielten sich „wie in einem Kriegsgebiet mit unbewaffneten Menschen“, sagte der in Mandalay lebende Aktivist Myat Thu gegenüber Reuters. Er sagte, unter den Toten war auch ein 13-jähriges Kind. Si Thu Tun, ein weiterer Demonstrant, sagte, er habe gesehen, wie zwei Menschen anschossen worden seien, darunter ein buddhistischer Mönch. „Einer von ihnen wurde im Schambein getroffen, ein anderer wurde auf schreckliche Weise erschossen“, sagte er. Ein Lastwagenfahrer in Chauk, einer Stadt in der zentralen Region Magwe, starb, nachdem er von der Polizei in die Brust geschossen worden war, sagte ein Freund der Familie.

In den Abendnachrichten des von den Militärmachthabern betriebenen Senders MRTV wurden die Demonstranten am Samstag als „Kriminelle“ bezeichnet, ohne jedoch auf Details einzugehen.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden bisher mehr als 80 Menschen bei den landesweiten Protesten gegen die Machtergreifung des Militärs im vergangenen Monat getötet. Mehr als 2.100 Menschen wurden demnach festgenommen.


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