Neuer Bernhard Aichner führt in die „Dunkelkammer“

Der gebürtige Osttiroler Bernhard Aichner ist eine Fixgröße am Krimihimmel. Seine Bücher verkaufen sich wie warme Semmeln, sind bereits in zahlreiche Sprache übersetzt worden und vor kurzem hat Harald Sicheritz sogar seinen Broll-Krimi „Für immer tot“ verfilmt. Seine „Totenfrau“ soll außerdem im Jahr 2022 als Serie auf Netflix zu sehen sein.

Mit seinem neuen Roman „Dunkelkammer“, in dem der Pressefotograf David Bronski zum ersten Mal auftritt, setzt Aichner vorerst abermals auf knappe Sätze und Sprachreduktion und arbeitet damit konstant weiter an der Marke „Aichner“, die Menschen in Nicht-Corona-Zeiten in Scharen zu Lesungen lockt und Buchhändler jubilieren lässt.

Im APA-Interview erzählte Aichner, warum auch Nichtkrimi-Leser seinen neuen Roman lesen sollten, warum er welchen Schreibstil pflegt und welche „Markenerweiterungen“ im Aichner-Universum demnächst ins Haus stehen könnten.

APA: Herr Aichner, wie würden Sie Ihr neues Buch einem Nichtkrimi-Leser schmackhaft machen?

Bernhard Aichner: Es ist ein Kriminalfall und zugleich auch eine ganz private Geschichte. Der Held der Geschichte ist ein Pressefotograf. Er hat mit Mord und Totschlag zu tun. Seine Tochter wurde entführt, als sie vier Monate alt war. Für Nichtkrimi-Leser ist es somit ein sehr emotionales Buch, bei dem man auch viel fühlen kann. Es ist alles auch nicht wahnsinnig blutig, aber dafür sehr böse.

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APA: Worin unterscheidet sich die Figur David Bronski von den früheren Krimi-Protagonisten Ihrer Bücher?

Aichner: Es gibt eher eine gewisse Kontinuität. Sie haben alle gemeinsam, dass sie beruflich etwas mit dem Tod zu tun haben.

APA: Schöpfen Sie für die Figur von Bronski auch aus Ihrer früheren Tätigkeit als Pressefotograf?

Aichner: Ja, natürlich. Ich musste aber zum Glück sehr selten zu Schwerverletzten oder Toten hin. Aber der Protagonist hat damit zu tun. Er lebt praktisch vom Tod. Eigentlich müsste ihn das fast unsympathisch machen. Aber er hat viele Wunden, die im Buch auch eine wichtige Rolle spielen.

APA: Wird Sie diese Figur auch in den nächsten Jahren beschäftigen?

Aichner: Ja, der nächste Band ist schon fertig geschrieben. Den dritten Band schreibe ich gerade und ich habe bereits Pläne für die nächsten Bände. Bis zum sechsten Teil habe ich schon Titel. Ich überlege mir gerade, was im vierten Teil passiert.

APA: Auch im neuen Roman gibt es wieder den typischen Aichner-Stil - mit knappen Sätzen und Sprachminimalismus.

Aichner: Ich habe lange Zeit benötigt um so zu wachsen, damit ich das kann. Ich wollte eine Form und eine Sprache finden, die auf das Nötigste reduziert ist. Es geht mir darum, die Fantasie der Leser bestmöglich anzusprechen. Jeder Leser darf sich meine Figuren anders vorstellen.

APA: Wie ist es dann, Ihre Figuren in Film und Serien sozusagen konkretisiert zu sehen?

Aichner: Das war und ist sehr spannend. Mich interessiert es auch zunehmend, Drehbücher zu schreiben, wenn auch nicht für Verfilmungen meiner eigenen Romane. Bei der Verfilmung des Broll-Krimis war ich zum ersten Mal auf einem Film-Set. Harald Sicheritz hat mich gleich an der Hand genommen und führt mich als Mentor seit eineinhalb Jahren in die Kunst des Drehbuchschreibens ein. Das macht mir sehr viel Spaß und definitiv Lust auf mehr.

APA: Aichner steht mittlerweile auch für einen bestimmten Stil und bestimmte Themen, ist eine Art Marke geworden. Steht bald eine „Markenerweiterung“ und ein Genre-Wechsel an?

Aichner: Genrewechsel ist sicher eine spannende Sache. Ein Drehbuch ist noch reduzierter als ein Roman. 100 Seiten Drehbuch sind wirklich sehr knapp. Ich brauche dafür noch viel weniger. Ich kann vieles weglassen, was dann einfach von den Schauspielern gespielt wird.

APA: Was können sich Ihre Fans von Ihnen in Zukunft erwarten?

Aichner: Zuerst einmal ist es vor allem schön, dass es viele tausende Menschen gibt, die auf ein neues Buch von mir warten. Ich bleibe mir, meinem Stil, meinem Genre und meinem Metier bis auf ein paar mögliche Umwege treu.

APA: Apropos Umwege: Welche Wege haben Sie für sich als Schriftsteller in Corona-Zeiten ohne Lesungen gefunden?

Aichner: Ich schreibe ja normalerweise schon jährlich ein Buch. In Corona-Zeiten war ich noch fleißiger und habe noch mehr geschrieben. Ich sitze nach wie vor hauptsächlich am Schreibtisch und schreibe täglich drei bis vier Stunden. Online-Lesungen habe ich zudem komplett ausgelassen. Ich mag den Kontakt zu meinen Lesern. Ich warte sehnsüchtig darauf, bis es möglich ist wieder Lesungen zu machen.

(Das Gespräch führte Markus Stegmayr/APA)

(S E R V I C E - Bernhard Aichner: „Dunkelkammer“, btb Verlag, 352 Seiten, 17,50 Euro, Erscheinungstermin: 22. März)


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