Finanzielle Entlastung: Debatte um eigene Kasse für Tourismus in Österreich

Die Gewerkschaft Vida fordert eine eigene Tourismuskasse. Branchenobmann Mario Gerber hält von diesem Vorschlag gar nichts.

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Tausende Tourismusmitarbeiter sind derzeit arbeitslos.
© Getty Images

Innsbruck – Die Gewerkschaft Vida schlägt eine eigene Tourismuskasse (TUAK) nach dem Vorbild der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) vor. Das Modell beinhaltet neben einer Urlaubsregelung und einer Mitarbeitervorsorgekasse auch Saisonverlängerungsmodelle. Als zusätzliche Unterstützung sollen die monatlich anfallenden Urlaubsansprüche der Arbeitnehmer über einen Zeitraum von zwei Jahren als Startkapital durch die öffentliche Hand übernommen werden. Dies würde den Betrieben die aktuell dringend notwendige finanzielle Entlastung bringen und Wiedereinstellungen erleichtern.

Für Tirols ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth liegen die Vorteile auf der Hand. Die Ansprüche der Beschäftigten würden unabhängig vom Arbeitgeber gesichert und die Sozialstandards in der Branche auf ein höheres Niveau gehoben. „Eine TUAK könnte einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass der Tourismus als Arbeitgeber wieder attraktiver wird“, betont Wohlgemuth.

Durch die Bürokratie entstehen beachtliche Kosten und ein zusätzlicher Adminis­trationsaufwand.
Mario Gerber (WK-Obmann)

Offen für den Vorschlag zeigt man sich im Arbeits- bzw. dem Tourismusministerium. „Generell können Modelle, die Anreize liefern, auch in saisonbedingt auslastungsschwächeren Zeiten die Mitarbeiter weiterzubeschäftigen, etwas ­Prüfenswertes sein, wobei es natürlich auf die genaue Ausgestaltung ankommt“, heißt es in einer gemeinsamen Beantwortung auf Anfrage der TT. Für eine Ausdehnung dieses Modells auf den Tourismus wäre aber – wie beim Modell BUAK – ebenfalls ein gemeinsames Bestreben von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen notwendig.

Mario Gerber.
© Julia Hammerle

Mario Gerber, Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer (WK), kann dem Vorschlag nichts abgewinnen. Dabei werde nur Geld im Kreis geschickt und es entstünden beachtliche Kosten. Die BUAK verursache rund 2 % zusätzliche Verwaltungskosten, die die Betriebe zu tragen hätten. Die BUAK – ursprünglich gegründet, um Bauarbeitern zu ermöglichen, trotz Unterbrechungen der Arbeitsverhältnisse den Anspruch auf einen Urlaub zu erwerben – sei zu einem „unsinkbaren Schiff“ geworden und ständig auf der Suche nach weiteren Aufgabenbereichen. „Eine Tourismuskasse löst nicht die Probleme, mit welchen unsere Branche zu kämpfen hat“, betont Gerber. Um die Mitarbeiter wieder in reguläre Beschäftigung zu bringen, brauche man eine funktionierende Tourismuswirtschaft. Diese sei nur mit offenen Grenzen zu erreichen – und dies bedeute eine intensive Kombination aus Testen und Impfen. (hu)

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