Klimaziele rufen nach Bremse für Flugverkehr

Bahnfahren soll laut Umweltministerin Gewessler im Vergleich zum Flugzeug attraktiver werden. Wifo-Expertin rät zu höherer Besteuerung des Fliegens.

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Vor der Corona-Krise war der Flugverkehr für rund 5,5 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich.
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Wien – Der Flugverkehr in Österreich ist laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in der Corona-Krise um 70 Prozent eingebrochen, bereitet sich aber auf einen Neustart vor. Bis er wieder Vorkrisenniveau erreicht, dauert es laut Experten zwei bis sechs Jahre. Doch um die Klimaziele zu erreichen, ist für Wissenschafter eine Reduktion des Flugverkehrs unausweichlich. Bei einer Online-Veranstaltung des VCÖ drängten sie darauf, die Krise zu nutzen.

„Die Klimakrise ist akut wie eh und je“, sagte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne). Der Verkehr sei ein Sorgenkind auf dem Weg zur angepeilten Klimaneutralität bis 2040. Alleine der Flugverkehr habe sich seit 1990 verdreifacht und sei für 5,5 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die Umweltministerin zeigt sich zugleich zuversichtlich, dass Videokonferenzen auch nach der Pandemie häufiger genützt werden und sich so die Zahl der Geschäftsreisen verringern werde. Ziel sei zudem, etwa durch die österreichische Flugticketabgabe von 30 Euro auf Kurzstrecken, dass häufiger die Bahn als Alternative genutzt werde.

Ein großer Kritikpunkt der Experten bleiben dennoch steuerliche Vergünstigungen des Flugverkehrs. Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller erinnert daran, dass Flugbenzin (Kerosin) ebenso steuerfrei ist wie Flugtickets. Auch die Mehrwertsteuer ist für die Branche vergünstigt. Schratzenstaller spricht sich für höhere Steuern auf Tickets und eine Mineralölsteuer auf Flugbenzin aus. Außerdem brauche es eine „effektive“ Flugticket­abgabe. Diese ist in Österreich insgesamt weiterhin geringer als etwa in Deutschland.

Jekaterina Boening von der Umweltorganisation Transport & Energy verweist darauf, dass alternative Antriebe für Flugzeuge noch in den Kinderschuhen stecken und die Verringerung des CO2-Ausstoßes mit technischen Mitteln noch beschränkt und teuer sei. Daher biete sich zur CO2-Reduktion als Zwischenlösung nur die Beimischung synthetischen Flugbenzins an. Das biete aber nur eine Energieeffizienz von rund 20 Prozent. Die nötigen erneuerbaren Strommengen für die Herstellung wären enorm: So wäre für klimaneutrales Fliegen fast so viel Strom nötig, wie ganz Deutschland heute verbraucht. Will man den Verkehrssektor mit synthetischem Treibstoff ­dekarbonisieren, wäre bis 2050 eine Fläche nötig, die 1,7 Mal der Fläche Österreichs entspricht. (ecke)


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