Richard Agreiter wird 80: Von Ruhestand keine Spur

Er ist/war einer der Lieblingskünstler von Günther Platter und Hilde Zach. Er lässt sich nicht biegen und kaufen: Richard Agreiter. Am 25. März wird er 80.

Prof. Richard Agreiter mit Südtiroler Verdienstorden und Lebensmensch Ghislaine.
© Hörhager Peter

Von Peter Hörhager

Steinberg a. R. –„Kocht des Kupfers Brei, schnell das Zinn herbei!“ An diese Zeilen aus Schillers „Lied von der Glocke“ (wir haben noch Gedichte auswendig lernen müssen …) erinnerte ich mich, als ich erstmals Zaungast bei einem Gussvorgang vor dem Haus „Gana“ in Steinberg war. Dicke Rauchschwaden, zündelnde Flammen, zischender Funkenregen und dann ein sich ölig in die Gussformen ergießender Feuerstrom aus flüssiger Bronze – es war ein archaischer (Zeugungs-)Akt, der da im Atelier des Steinberger Künstlers Richard Agreiter ablief. Er beherrscht zwar jedes Material, seit den 1990er-Jahren ist er aber fast ausschließlich dem Bronzeguss verfallen.

Bronze-Nothburga von Richard Agreiter.
© Argreiter

Ein besonders „gewichtiges“ Agreiter-Kunstwerk (1700 kg Bronze, 3000 kg Granit, 700 kg Stahl) steht am Vorplatz des Raiffeisenhauses am Wiener Donaukanal: die fünf Meter hohe „Genese“, die 2014 im Beisein von LH Günther Platter und des damaligen Landwirtschaftsministers An­drä Rupprechter enthüllt wurde. „Die ,Genese‘ ist eine der wunderbarsten Großplastiken, die in den letzten zwei Jahrzehnten entstanden sind. Mit seinem Schaffen ordnet sich Agreiter in die Reihe großer Bildhauer wie Anton Hanak, Fritz Wotruba oder auch Alfred Hrdlicka ein“, betonte Dir. Carl Aigner vom Landesmuseum NÖ damals in seiner Laudatio.

Die Agreiters stammen ursprünglich aus Ladinien (der Hausname „Gana“ erinnert an die Bergfee Gana aus dem Gadertal), wurden aber im Zuge der „Option“ nach Böhmen umgesiedelt, wo Richard Agreiter zur Welt kam. Im Spätherbst 1941 übersiedelte die Familie nach Steinberg und die kleine Rofan-Gemeinde wurde zur neuen Heimat, in der Prof. Agreiter noch heute lebt und arbeitet.

In der Kunstgewerbeschule Innsbruck wurde das Talent des Ladiners einst freigelegt. Es folgte ein zweijähriger Auslandsaufenthalt in der Schweiz und – über ein Stipendium des Landes Tirol – ein Studium an der Brüsseler Kunstakademie, das er 1971 mit Auszeichnung abschloss. Der seit damals freischaffende Künstler entschied sich 2004, seinen gesamten Nachlass dem Kulturzentrum der Ladiner im Museum Ladin in St. Martin in Thurn zu überantworten. Außerdem wurde 2007 die „Richard Agreiter Stiftung“ ins Leben gerufen, welche alle drei Jahre den mit 10.000 Euro dotierten „Kunstpreis für Bildhauerei Richard Agreiter“ v­ergibt. Die Ausstellungsorte (Berlin, Nancy, Luxemburg, Paris, Wien, Sorèze, Bonn …) verdeutlichen den Stellenwert, den der Künstler auch international genießt.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper
Auch Felix Mitterer und Gattin Agnes besuchten den Künstler in dessen Atelier.
© Heinz Vogt

Wobei er sich nie verbiegen und keinen Ismen unterwerfen ließ. Seine flinken Äuglein können zwar spitzbübisch funkeln, aber auch bitterböse blitzen, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Sein Haus in Steinberg ist gleichermaßen Wohnraum und Atelier. „Ich wohne in der Werkstätte – oder arbeite in der Wohnung“, meint er lachend. Als höchste Wertschätzung ist es einzustufen, wenn er sich in einem anderen Metier versucht – als Schöpfer der „weltbesten Gulaschsuppe“ (©Agreiter). Auf eine solche darf sich auch sein Freund Luis Durnwalder bei dem längst geplanten Besuch freuen.


Kommentieren


Schlagworte