Erster nationaler Gedenktag für Covid-Opfer in Italien

Vor genau einem Jahr sind unter großem internationalen Aufsehen Militärlastwagen mit Särgen von Corona-Toten durch die norditalienische Stadt Bergamo gerollt. Am Donnerstag begingen die Menschen in ganz Italien den ersten nationalen Gedenktag für die Opfer der Pandemie, die das Land 2020 bei der ersten Virus-Welle härter traf als viele andere in Europa. Premier Mario Draghi reiste nach Bergamo und legte auf dem städtischen Friedhof einen Kranz nieder.

Empfangen wurde Draghi vom lombardischen Präsidenten Attilio Fontana und dem Bürgermeister von Bergamo, Giorgio Gori. Anwesend war auch der Bischof der Stadt, Francesco Beschi. „Wir haben ein Jahr der Trauer und des Schmerzes erlebt. Viele Familien haben Angehörige verloren“, sagte der Geistliche. Zum Abschuss der kurzen Zeremonie ertönte das Trompetensolo „Il Silenzio“ (Die Stille), das zum festen Bestandteil des militärischen Trauer- und Beisetzungszeremoniells zählt.

Bei der Zeremonie anwesend waren auch Mitglieder des Bürgerkomitees „Noi Denunceremo“ (Wir klagen an). Sie setzt sich aus Familienmitgliedern von Menschen zusammen, die an der Pandemie gestorben sind und die schwere Vorwürfe wegen Fahrlässigkeit gegen die Behörden erheben.

Draghi eröffnete in der lombardischen Stadt mit ihren rund 120.000 Einwohnern einen Gedenkwald für die Pandemie-Toten. So pflanzte er den ersten Baum des Parks, der in der Nähe des großen Krankenhauses „Papa Giovanni XXIII“ entsteht. Das Projekt umfasst die Pflanzung von 130 Obst- und 70 Waldbäumen sowie 90 kleineren Bäumen und Sträuchern. Entlang der Gehwege werden Sitzplätze errichtet, damit Menschen, die den Wald besuchen, innehalten können. Mehrere Verbände der Region sollen die Pflege übernehmen.

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„Der Wald soll zu einem lebendigen und symbolischen Ort für unsere Zukunft werden, den alle Bürger genießen können“, sagte die Architektin Paola Cavallini, die mit dem Agronomen Roberto Reggiani an dem Projekt gearbeitet hat. Um einen Teil der Kosten für die Bepflanzung zu decken, wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. „Um dieses Projekt durchführen zu können, brauchen wir die Hilfe aller: Bürger, Unternehmen, Verbände. Jeder Beitrag wird es uns ermöglichen, aus diesem Wald einen lebendigen Ort der Erinnerung für all jene zu machen, die einen geliebten Menschen verloren haben“, so der Initiator des Projekts, Marco Boschini.

Die Flaggen im ganzen Land wurden auf halbmast gesetzt. Eine Schweigeminute wurde im Parlament eingehalten. Der 18. März wurde zum nationalen Gedenktag gewählt, weil an diesem Tag in den Medien Bildern von Militär-Lastwagen zu sehen waren, die von dem Friedhof der lombardischen Stadt Bergamo Dutzende Särge in die Krematorien anderer Regionen brachten. Tagelang war die Lagerkapazität der lokalen Leichenhalle ausgeschöpft. Die Bilder hatten die Welt erschüttert und waren zum Symbol der Corona-Tragödie in Norditalien geworden.

Italien will in der Corona-Pandemie engagiertes Gesundheitspersonal für den Friedensnobelpreis 2021 vorschlagen, berichtete der ehemalige EU-Kommissionspräsident Antonio Tajani, Nummer zwei der Regierungspartei Forza Italia, per Twitter. „Unsere Ärzte und Krankenpfleger waren in Europa die ersten, die in dramatischen Zuständen mit Opferbereitschaft und großer Professionalität zur Rettung von Menschenleben gekämpft haben. Sie sind Helden“, schrieb Tajani per Twitter.


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