Militärjunta erhebt neue Korruptionsvorwürfe gegen Suu Kyi

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Die Militärjunta in Myanmar erhebt neue Korruptionsvorwürfe gegen die von ihr entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Gezeigt wurde ein Video, in dem ein Geschäftsmann aus Myanmar angibt, der Politikerin über mehrere Jahre 550.000 Dollar (rund 460.000 Euro) gegeben zu haben. Maung Weik sagte, er habe Geld an ranghohe Regierungsvertreter gespendet, weil er sich Vorteile für seine Firma versprochen habe. Die Proteste im Land gegen die Junta gehen derweil weiter.

Es sind nicht die ersten Korruptionsvorwürfe gegen Suu Kyi: Vergangene Woche beschuldigte die Junta die Friedensnobelpreisträgerin, mehr als zehn Kilogramm Gold und 600.000 Dollar in bar erhalten zu haben. Ein Nachrichtensprecher sagte, Suu Kyi sei an Korruption beteiligt gewesen, eine Anklage gegen sie sei in Vorbereitung. Wenn sie in beiden Punkten schuldig gesprochen würde, drohten ihr bis zu 30 Jahre Haft, schrieb die Zeitung „The Irrawaddy“ am Donnerstag. „Das bedeutet, dass sie den Rest ihres Lebens hinter Gittern verbringen würde.“

Suu Kyis Anwalt Khin Maung Zaw sagte, die Anschuldigungen seien „gegenstandslos und unlogisch“. Zwar habe auch Suu Kyi „ihre Fehler“, Bestechlichkeit und Korruption gehörten aber nicht dazu. Der Anwalt geht davon aus, dass die meisten Menschen in Myanmar den Anschuldigungen keinen Glauben schenken werden.

Kurz nach dem Putsch am 1. Februar hatten die Militärs der 75-jährigen zunächst Verstöße gegen Importbestimmungen in Zusammenhang mit Funkgeräten vorgeworfen, die nach ihrer Festnahme in ihrem Haus gefunden worden waren. Außerdem wird Suu Kyi beschuldigt, gegen Corona-Beschränkungen verstoßen zu haben. Der schwerwiegendste Vorwurf lautet „Anstiftung zum Aufruhr“.

Auch am Donnerstag gab es landesweit neue Kundgebungen gegen die Militärjunta. Die Einsatzkräfte reagierten lokalen Medien zufolge erneut mit Gewalt. Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation AAPP wurden seit dem Umsturz bereits 217 Menschen getötet (Stand 17. März) und fast 2.200 festgenommen.

Das Militär hat Augenzeugen zufolge auch damit begonnen, Zivilisten zu zwingen, selbst gebaute Barrikaden der Demonstranten aus dem Weg zu räumen - darunter Sandsäcke und Steine. „Heute Morgen hat mich eine Gruppe von Soldaten im Viertel Mayangon angehalten“, sagte ein Taxifahrer aus der größten Stadt Yangon (früher: Rangun) der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hatte zwei Passagiere im Auto und wir wurden alle gezwungen, eine Stunde lang Barrikaden wegzuräumen.“ Ein Mann aus einem anderen Stadtteil erklärte, die Soldaten hätten gedroht, alle zu töten, die die Barrikaden wieder aufbauten.


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