Hamburgs Erzbischof bietet in Missbrauchsaffäre Rücktritt an

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Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat Papst Franziskus seinen sofortigen Amtsverzicht angeboten. Er ziehe damit die Konsequenz aus dem Ergebnis des am Donnerstag vorgestellten Gutachtens zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln, sagte Heße in Hamburg. Er habe sich nie an Vertuschungen beteiligt, werde aber seinen Teil der Verantwortung für das Geschehen tragen.

In dem Gutachten sind Hinweise auf 202 Beschuldigte festgestellt worden. Bereits unmittelbar nach der Präsentation des Papiers am Donnerstag zog der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki personelle Konsequenzen und entband seinen Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Leiter des Erzbischöflichen Gerichts, Offizial Günter Assenmacher, wegen Pflichtverletzungen mit sofortiger Wirkung vorläufig von ihren Ämtern.

Der Kardinal sprach von „Vertuschung“ in der deutschen Diözese. Während Schwaderlapp in acht Fällen konkrete Pflichtverletzungen begangen haben soll, soll Assenmacher in zwei Fällen eine unzutreffende Rechtsauskunft abgegeben haben. Woelki selbst wurde in dem Gutachten entlastet. Eigentlich wollte der Kardinal erst am kommenden Dienstag Konsequenzen aus dem Gutachten des Strafrechtlers Björn Gercke ziehen.

Kardinal Woelki sagte, in Köln hätten sich „höchste Verantwortungsträger“, darunter mit den Kardinälen Joachim Meisner und Joseph Höffner seine beiden Vorgänger, schuldig gemacht. „Sie haben nicht sanktioniert, sondern verzögert oder den Schutz der Betroffenen nicht beachtet.“ Es spreche Bände, dass Laien in Köln bei Missbrauchsvorwürfen immer schnell und konsequent bestraft worden seien, Priester aber nicht - „das berührt mich und beschämt mich auch zutiefst“. Beide früheren Erzbischöfe von Köln sind bereits verstorben.

Gercke hatte zusammen mit seinem Team in den vergangenen Monaten die Kirchenakten von 1975 bis 2018 ausgewertet. Herausgekommen ist ein 800 Seiten starker Bericht, in dem erstmals ungeschwärzt auch die Namen von Verantwortlichen genannt werden.

Erzbischof Heße wirt Gercke elf Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen in Köln vor. Heße war vor seiner Berufung nach Hamburg Personalchef und Generalvikar in Köln. Die meisten Pflichtverletzungen stellte Gercke bei seinen Untersuchungen bei dem 2017 verstorbenen Kardinal Meisner fest.

Die Opfer waren demnach mehrheitlich Burschen. Bei 63 Prozent der Beschuldigten handle es sich um Kleriker. In knapp 32 Prozent der Fälle habe es sich um sexuellen Missbrauch gehandelt, in gut 15 Prozent um schweren sexuellen Missbrauch. Die anderen Fälle stuft Gercke unter anderem als Grenzverletzungen und sonstige sexuelle Verfehlungen ein.

Ein erstes Gutachten einer Münchner Kanzlei war vom Kölner Kardinal unter Verschluss gehalten worden, wofür er rechtliche Bedenken anführte. Dieses Verhalten Woelkis hatte eine Vertrauenskrise in der Erzdiözese ausgelöst. Der Erzbischof hat jüngst allerdings bereits vor Vorstellung des Gercke-Gutachtens angekündigt, aus den Ergebnissen umgehend Konsequenzen ziehen zu wollen. Das Erzbistum Köln ist mit rund 1,9 Millionen Katholiken die größte Diözese im deutschsprachigen Raum.


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