Jeder dritte Erwerbstätige in Tirol hat durch die Krise weniger Geld

Touristiker befürchten, dass die Notstandshilfe Kellner & Co. in andere Jobs treibt. 2020 gab es um 55 Prozent mehr Anträge als 2019.

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Kurzarbeit, Arbeitslosengeld und Notstandshilfe: Das trifft jeden dritten Erwerbstätigen in Tirol. Die Zahl der Notstandsbezieher steigt.
© Getty Images/iStockphoto

Innsbruck – „Niemand weiß, wie es im Tourismus weitergeht, ob und wann Gäste kommen“, meint Hans Entner, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Tourismusverbände und Hotelier am Achensee. Mitarbeiter, die nicht in Kurzarbeit sind, sondern arbeitslos gemeldet wurden, würden jetzt vielfach in die Notstandshilfe rutschen. „Das veranlasst viele, die Branche zu verlassen“, meint Entner. Er sieht die Politik gefordert, das Arbeitslosengeld müsse länger ausbezahlt werden. „Notstandshilfe empfinden viele als entwürdigend.“

Tatsächlich wurden 2020 in Tirol laut AMS rund 13.200 Anträge auf Notstandshilfe erledigt, ein Jahr davor waren es noch 8500. Das ist eine Steigerung von 55 Prozent. Dazu kamen letztes Jahr rund 94.000 Anträge auf Arbeitslosengeld. Ein Plus von 27 Prozent im Vergleich zu 2019. „Rechnet man die Kurzarbeit dazu, so hat jeder dritte Erwerbstätige in Tirol weniger Geld zur Verfügung“, sagt der neue Tiroler AMS-Chef Alfred Lercher.

In der Pandemie hat die Bundesregierung dafür gesorgt, dass das Arbeitslosengeld und die Notstandshilfe gleich hoch sind. „Das ist noch bis Ende März so. Aktuell ist uns unklar, ob die Frist verlängert wird“, sagt Lercher. Das durchschnittliche Arbeitslosengeld in Tirol liegt bei mageren 970 Euro im Monat, das höchste bei 1800 Euro. Wer Anspruch hat, muss entsprechend lange Arbeitsverhältnisse nachweisen und mit 55 Prozent seines Bruttojahreseinkommens auskommen. „Bei vielen ist das Ersparte inzwischen aufgebraucht“, sagt Lercher. Derzeit sind 35.000 Menschen in Tirol arbeitslos gemeldet, den meisten Rückgang gibt es derzeit am Bau. Dort haben 640 Menschen wieder einen Job, im Gastgewerbe sind es laut AMS 205 von 14.000 Tourismusmitarbeitern. „Die große Abwanderung in andere Branchen sehe ich nicht.“

Von den 35.000 Arbeitslosen bezogen mit Ende des Monats ein Drittel, nämlich 11.570, Notstandshilfe. „Den Monat davor waren es noch weniger, nämlich ein Viertel.“ Sollte die Bundesregierung die Frist nicht verlängern, so bekämen die Notstandsbezieher ab 1. April 92 bis 95 Prozent des Arbeitslosengeldes. Also noch einmal weniger.

Lercher meint, dass die einheimischen Arbeitskräfte einen Vorteil hätten, wenn die Saison anspringt. „Sie sind schon in Tirol, während die anderen erst anreisen müssen.“ 60 Prozent der Tourismusmitarbeiter sind Ausländer. (aheu)


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