Mindestens acht Menschen bei Protesten in Myanmar getötet

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Bei den anhaltenden Protesten gegen den Militärputsch in Myanmar sind am Freitag nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mindestens acht Menschen getötet worden. In Aungban in der Landesmitte seien Sicherheitskräfte zunächst mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen. Später hätten sie bei einer Auseinandersetzung das Feuer eröffnet. Ein Sprecher der Militärjunta war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Ein Vertreter des Bestattungsdienstes in Aungban sagte Reuters, sieben Menschen seien an Ort und Stelle getötet worden, ein weiterer sei verletzt worden und anschließend in einem Krankenhaus gestorben. Insgesamt sind in den vergangenen Wochen nach Angaben von Bürgerrechtlern mehr als 230 Menschen bei den Protesten im Zuge des Militärputsches vom 1. Februar ums Leben gekommen.

Mit dem Sprecher der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) wurde ein weiteres prominentes Mitglied von Aung San Suu Kyis Regierungspartei festgenommen. Beobachter befürchten, dass Kyi Toe, der seit dem Putsch die Medien im Land über die NLD und die Entwicklungen informiert hatte, gefoltert werden könnte. In den vergangenen Wochen waren bereits zwei NLD-Mitglieder kurz nach ihrer Inhaftierung gestorben.

Das brutale Vorgehen der Junta in Myanmar gegen Kritiker des Militärputsches führt unterdessen zu einer massiven Fluchtbewegung aus der Handelsmetropole Yangon. „Ich fühle mich nicht mehr sicher, in manchen Nächten kann ich nicht einmal schlafen“, sagte eine Bewohnerin von Yangon. „Ich habe Angst, dass als nächstes das Schlimmste passiert“, fügte sie hinzu. In dem Stadtteil, in dem sie wohne, sei die Situation „sehr intensiv“. Sicherheitskräfte „nehmen die Menschen von der Straße weg“. Sie habe Bus-Tickets gekauft, um in ihren Heimat-Bundesstaat im Westen Myanmars zurückzukehren.

Ein 29-jähriger Goldschmied aus Yangon berichtete per Telefon, er habe die Stadt bereits verlassen. „Es war zu qualvoll zu bleiben“, sagte er mit Blick auf das Vorgehen der Junta. Seit er die Stadt verlassen habe, fühle er sich „erleichtert und viel sicherer“.

Seit dem Militärputsch am 1. Februar befindet sich Myanmar in Aufruhr. Gegen die Proteste Zehntausender Menschen geht die Junta brutal vor. In sechs Stadtteilen von Yangon, der ehemaligen Hauptstadt Myanmars, verhängte die Junta in dieser Woche das Kriegsrecht. Fast zwei Millionen Menschen unterstehen damit praktisch der direkten Kontrolle des Militärs. Die faktische Regierungschefin Suu Kyi, die die Parlamentswahl im November klar gewonnen hatte, wurde in Gewahrsam genommen und wird mehrerer Vergehen beschuldigt.

In der an Myanmar angrenzenden thailändischen Provinz Tak bereiteten die Behörden Notunterkünfte für Flüchtlinge vor. „Falls viele Myanmarer wegen einer dringenden Angelegenheit über die Grenze fliehen, haben wir Maßnahmen getroffen, um sie zu empfangen“, erklärte der Provinzgouverneur Pongrat Piromat. Seine Provinz sei in der Lage, zwischen 30.000 und 50.000 Menschen aufzunehmen. Etwa 90.000 Flüchtlinge aus Myanmar leben bereits in der durchlässigen Grenzregion.

Der indonesische Präsident Joko Widodo forderte am Freitag ein sofortiges Ende der Gewalt in Myanmar und rief die Regierungen der Region zu einem Gipfeltreffen der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (ASEAN) auf. „Ich werde mit dem Sultan von Brunei als Vorsitzendem der ASEAN über die Möglichkeit eines ASEAN-Gipfels sprechen, um die Krise in Myanmar zu erörtern.“ Anfang März gab es bereits ein Online-Treffen der Außenminister der zehn ASEAN-Staaten zu der Gewalteskalation in Myanmar.


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