ÖFB bleibt vorerst bei 43-Mann-Kader für WM-Quali-Auftakt

Sechs Tage vor dem Auftakt zur Fußball-WM-Qualifikation herrscht nach wie vor Unklarheit, mit welchem Kader die österreichische Nationalmannschaft das Spiel in Glasgow gegen Schottland bestreiten wird. Stand Freitagnachmittag muss Teamchef Franco Foda in dieser Partie auf sämtliche 19 einberufenen Deutschland-Legionäre und den in Frankreich tätigen Adrian Grbic verzichten. Daher wurde der historisch große 43-Mann-Kader zumindest vorerst nicht reduziert.

Laut ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold besteht noch die Hoffnung, dass Großbritannien im Laufe des Freitags vom Robert-Koch-Institut von der Liste der Hochrisikogebiete genommen werden könnte. In diesem Fall hätte eine Reise nach Schottland für die Deutschland-Profis keine 14-tägige Quarantäne zur Folge und die Clubs wären zur Abstellung verpflichtet.

Wahrscheinlicher dürfte jedoch sein, dass die Deutschland-Gastarbeiter so wie Grbic erst in den Wien-Spielen gegen die Färöer (28. März) und Dänemark (31. März) zur Verfügung stehen. In diesem Fall würde Foda ab Montag mit jenen 23 Spielern trainieren, die am Mittwoch nach Glasgow reisen. Die gegen Schottland nicht einsatzfähigen 20 Kicker üben ab Mittwoch gesondert in Wien, nach der Rückkehr des Glasgow-Trosses wird der Kader am kommenden Freitag reduziert.

Nationaltrainer Foda geht mit der Situation relativ gelassen um. „Ich rege mich generell nicht darüber auf, was ich nicht verändern kann. In den nächsten Tagen gilt es, die Mannschaft bestmöglich auf das Schottland-Spiel vorzubereiten“, sagte der Deutsche.

Trotz der schwierigen Ausgangsposition sei nach wie vor die WM-Teilnahme das große Ziel. „Wir wollen in Schottland gewinnen und uns dort von unserer besten Seite zeigen.“ Die vielen Neulinge haben laut Foda die Gelegenheit, sich für die EURO zu empfehlen. „Das ist doch für jeden, der dabei ist, eine Riesenchance, sich zu präsentieren. Jeder muss diese Chance wittern und spüren, sich vielleicht noch für die EM qualifizieren zu können.“

Zu diesen Anwärtern zählt etwa Ercan Kara. „Er macht auf mich einen sehr positiven, aufgeweckten Eindruck“, erzählte Foda. „Er ist sehr robust, kann Bälle gut halten, ist in der Box immer gefährlich und hat eine gute Nase für Spielsituation. Es, kommt nicht von ungefähr, dass er so viele Tore erzielt hat.“

Über den ebenfalls erstmals fürs A-Team nominierten Yusuf Demir sagte Foda: „Er ist ein junger, sehr talentierter Spieler. Klar ist er noch kein absoluter Stammspieler bei Rapid. Trotzdem sehe ich in ihm riesiges Potenzial. Er hat in vielen Spielen, wo er reinkam, neue Impulse gegeben.“ Den Begriff „Rumpftruppe“ für die in Schottland antretende Mannschaft wies der Teamchef zurück. „Wir sind von allen einberufenen Spielern hundertprozentig überzeugt.“

Nicht einberufen wurde Marko Arnautovic, weil auf den Wiener nach einem Österreich-Aufenthalt eine 14-tägige Quarantäne in seiner Wahlheimat China warten würde. Für die EM sollte es allerdings keine Abstellungsprobleme geben, versicherte Arnautovic dem Nationaltrainer erst vor wenigen Tagen.

Neben Arnautovic fehlen in Schottland mit Grbic und Stuttgart-Profi Sasa Kalajdzic zwei weitere Stürmer, womit Kara derzeit der einzige echte Angreifer im Aufgebot ist. Man werde daher noch einen Stürmer nachnominieren, kündigte Foda an.

Diese Personalie wird ebenso am Wochenende geklärt werden wie die Frage, ob Stefan Posch (Hoffenheim), Karim Onisiwo (Mainz) und Martin Hinteregger (Frankfurt) für die Wien-Matches zur Verfügung stehen. Posch ist wegen einer kürzlich überstandenen Corona-Infektion fraglich, Onisiwo angeschlagen und Hinteregger laboriert weiter an Muskelproblemen. Bei Letzterem sprach Foda nach dessen Oberschenkelverletzung von einem „Rückschlag im Training“. Freiburg-Verteidiger Philipp Lienhart kann wegen lokaler Bestimmungen überhaupt nur gegen die Färöer aufgeboten werden.

Zu all den offenen Personalfragen gesellt sich auch der nach wie vor nicht entschiedene Kampf um das Einserleiberl. Foda hatte im Herbst angekündigt, den künftigen Stammgoalie im März-Lehrgang festzulegen. Mittlerweile dürfte er von diesem Plan wieder abgekommen sein. „Aufgrund der neuen, außergewöhnlichen Situation werde ich überlegen, ob ich das jetzt schon tun werde“, meinte der 54-Jährige.

Foda holte fünf Torleute in seinen Großkader. Salzburg-Schlussmann Cican Stankovic gehörte nicht dazu, was bei „Bullen“-Coach Jesse Marsch für Unverständnis sorgte. „Wir leben in einer Demokratie, da darf jeder seine Meinung äußern, und das hat er getan“, sagte Foda über die öffentliche Kritik von Marsch.

Stankovic zähle so wie die ebenfalls nicht einberufenen Patrick Pentz (Austria), Dejan Stojanovic (St. Pauli) und Martin Fraisl (Den Haag) nach wie vor zu einem Pool von zehn Tormännern, die für das Nationalteam interessant seien. „Cican hat genauso wie alle anderen die Möglichkeit, bei der EM dabei zu sein“, betonte Foda.


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