"Dunkelkammer" von Bernhard Aichner: Foto-Shooting mit einer Leiche

In „Dunkelkammer“ erlebt Bernhard Aichners neue Romanfigur David Bronski seine Feuertaufe.

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Zufriedenes Lächeln nach getaner Schreibarbeit. Bernhard Aichner veröffentlicht heuer zwei Bücher.
© Foto Rudy De Moor

Von Markus Schramek

Innsbruck – Er heißt Bronski, David Bronski. Klingt nicht sehr britisch und auch nicht extrem tirolerisch. Doch Bronski ist Innsbrucker. Er verlässt seine Heimatstadt fluchtartig, weil ihm Schlimmstes widerfährt: Sein Kind wird entführt und nie mehr gesehen.

Bronski taucht mit seiner Frau Mona im Großstadt- dschungel Berlins unter. Das gelingt ganz passabel auf einer Skala zwischen recht und schlecht. Bronski findet einen Job als Pressefotograf in Deutschlands Hauptstadt. Es läuft. Da klingelt sein Handy.

Am anderen Ende eine Stimme aus verdrängten Innsbrucker Zeiten. Kurt, einst Bronskis Kollege im täglichen Wettlauf um Pressebilder, ködert den abtrünnigen Tiroler: Es wäre wegen einer Leich’. In Innsbruck gäbe es Grauslich-Gruseliges abzulichten: eine mumifizierte Tote, allerdings um einen ganzen Kopf kürzer. Das Haupt des makabren Funds wurde abgetrennt und fehlt, Aufenthalt unbekannt. So weit vorrätig, handelt es sich um die gut erhaltenen sterblichen Überreste einer schwerreichen Deutschen mit Faible für Tirol. Sie gilt seit Langem als verschollen. Jetzt wird klar, warum.

Bronski ist schon unterwegs im Auto Richtung Tirol. Dieses Foto-Shooting lässt er sich nicht entgehen. Die Bilder versprechen fette Beute.

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Von diesem Bronski wird noch viel zu lesen sein. Er ist die neue Romanfigur von Krimiautor Bernhard Aichner. Tirols aktuell erfolgreichster Buchverfasser zimmert um den Fotografen seine neuen Plots. „Dunkelkammer“, Teil 1 der mehrbändigen Bronski-Reihe, mit der eingangs beschriebenen Rückkehr zum Leichen-Schauen nach Tirol, kommt heute heraus.

Der Buchhandel hat Schaufenster und Verkaufsflächen mit dem neuen Aichner voll geräumt. Den Tiroler Krimineser mag man eben. Warum sollte es diesmal anders sein? Das denkt sich auch der Verlag. Der wirft Ende Juli gleich den zweiten Bronski-Band „Gegenlicht“ auf den Markt.

Für sein Fantasieprodukt Bronski musste sich Aichner nicht allzu tief in die Recherche begeben: (Presse-)Fotograf war er selbst, bevor er als Autor den Durchbruch schaffte. Schmeichelhaft ist seine Beschreibung der Medienszene ja nicht gerade, wohl aber zutreffend: eine Menge von Einzelgängern auf der Jagd nach der nächsten Story, lästig beim Nachhaken und Fragen, aber wortkarg, wenn es um die Preisgabe eigener Gefühlswelten geht.

Kulturberichterstatter, wir haben es immer zumindest vermutet, sind übrigens wahre Tausendsassas. Bronski wird bei der Crime-Recherche in Tirol just von Kulturredakteurin Svenja unterstützt – sonst war gerade niemand verfügbar. Bronski ätzt und lästert: Ausgerechnet so jemand, der sich sonst über Hochkultur zwischen Champagner und Kaviar auslässt, soll diese knallharte Story packen. Doch Svenja erweist sich als journalistisches Vollblut. Sie ist mit ihrem Wissensstand der Polizei voraus.

Gelöst wird natürlich auch dieser Fall auf jeden Fall. So viel sei verraten: Bronski ist nicht der Mörder, obwohl er, aus edelsten Motiven, ein gefaktes, von der Polizei belächeltes Geständnis ablegt.

Schreiberisch bleibt Aichner ganz er selbst: kurze Sätze, viel Tempo, abgrundtief böser Plot (wem so etwas nur einfällt). Zu seinen Büchern greift man ja auch nicht, um Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu erhalten. Aichners Thriller sind gute Unterhalter, passend, um sich für ein paar Lesestunden aufs Sofa zu verfügen.

Die Schar jener, die über Aichners Output nörgeln (zu einfach gestrickt, zu wenig gesellschaftlich relevant), wird kleiner, jedenfalls aber leiser. Und seine Fangemeinde? Die ist vermutlich schon auf dem Weg in den Buchladen, um mit „Dunkelkammer“ wieder herauszukommen.

Krimi Bernhard Aichner: Dunkelkammer. btb, 352 S., 17,50 Euro.


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