Drittes Album von „Hearts Hearts“: Liebe kennt kein „members only“

Beim dritten Album selbstbewusst genug: Die Indie-Pop-Musiker von „Hearts Hearts“ widmen sich in „Love Club Members“ dem heiklen Thema Liebe.

Angefangen haben „Hearts Hearts“ 2015, ihr drittes Studioalbum „Love Club Members“ erscheint am kommenden Freitag.
© Cavadini

Innsbruck – Willkommen im „Love Club“, in dem Liebe nicht aufwändig und oftmals übersteigert gefühlsbetont zwischen zwei Personen verhandelt wird, sondern dem man einfach beitritt, um gegen einen kleinen Mitgliedsbetrag Liebe unkompliziert geliefert zu bekommen. Einmal Liebe zum Mitnehmen? Für Hearts Hearts, das sind David Österle, Daniel Hämmerle, Johannes Mandorfer und Peter Paul Aufreiter, liegt eine kühle Mitgliedschaft als Annäherung an das Thema Liebe genau gegenüber der oftmals erhitzten Diskussion über Zwischenmenschliches. „Mit ihrem dritten Album, „Love Club Members“, das am Freitag erscheint, widmet sich das Indie-Pop-Quartett aus Wien zum ersten Mal inhaltlich dem ganz großen Pop-Thema.

„Wir sind lange sehr verkopft an Musik herangegangen“, erklärt Gitarrist Daniel Hämmerle im Gespräch mit der TT. Das neue Album hingegen zeuge von einer Art Befreiungsschlag. Die Band fühle sich erstmals selbstbewusst genug, um sich jetzt auch musikalisch der Liebe zu widmen. Aus dieser Auseinandersetzung sind elf Songs entstanden, die alle Facetten von zwischenmenschlichen Beziehungen durchleuchten – das Verhältnis von Ich und Du mit all seinen Absurditäten, ohne Umwege, ohne Plattheiten. Es geht um den großen Schritt, der im Kopf gegangen wird, aber nicht im realen Leben (in „Rub My Eyes“) oder das unsichere Gefühl, wenn man sich getraut hat, einen entscheidenden Schritt zu machen, vom gefühlten Frühling dann aber nicht viel übrig bleibt (in „Some Oceans Away“). Das führt bis zum wilden Aufbegehren: „Wild At Heart“ zele­briert das „Raus aus diesem Leben“, das das Ich sich so nicht vorgestellt hat. Ist Liebe also doch nur was für jene, die wissen, wie gespielt wird?

📽️ Video | „Rub My Eyes“:

Nein, Liebe ist immer ein Stück weit ungeplant, hält Drummer Johannes Mandorfer entgegen. Also sie kennt kein „members only“. Ungeplant flog der Band das Thema selbst überhaupt zu. Erst beim Feintuning habe die Pandemie hier ihren Beitrag geleistet, erklärt Hämmerle. „Die emotionale Bindung wurde unangenehm wegrationalisiert“, erinnert sich Österle an die letzten Monate. Auch die Band selbst musste sich erst zurückkämpfen, was sie ausmacht. Vorteile bescherte die aktuelle Situation nur dahingehend, dass es überraschend mehr Zeit für Reflexion gab, so Österle. Das Album hätte wie so viele andere ja noch 2020 erscheinen sollen.

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Ein Corona-Album wurde „Love Club Members“ deshalb aber nicht. Dafür hatte sich Hearts Hearts Ende 2020 mit „Ikarus (I Feel a Change)“ bewusst politisch geäußert. Und den Aspekt für die neue Musik wieder ausgeklammert. Die konzentriert sich lieber auf den stilistischen Aufbruch. Das Debüt „Young“ (2015) und der Nachfolger „Good/Gods“ (2019) waren da um einiges verklausulierter. Jetzt hören die „Love Club Members“ The National oder Arcade Fire und sind gleichzeitig offen für großen Pop, der nie banal ist. Mal ist es die Verspieltheit, die ansteckt („Easy“), mal die Klarheit, die catcht („The Fan“ mit OSKA). Bei Hearts Hearts werden 2021 euphorischer Pop und Pathos auf Zimmertemperatur runtergekühlt. Damit er auch abseits der Clubs cool genug daherkommt. (bunt)

🎵 Indie-Pop Hearts Hearts: Love Club Members. Parramatta


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