„Fallenbilder“ und mehr: Kunstforum zeigt Daniel Spoerri

Am Samstag (27. März) feiert der in Wien lebende Schweizer Objektkünstler Daniel Spoerri seinen 91. Geburtstag. Schon ab Mittwoch ist im Bank Austria Kunstforum Wien die größte Retrospektive seines reichen Schaffens seit der 20er-Haus-Ausstellung 1990 zu sehen. „Über 100 Schlüsselwerke Daniel Spoerris aus 43 öffentlichen und privaten internationalen Sammlungen“ hat Kuratorin Veronika Rudorfer in zweijähriger Vorbereitungszeit zusammengetragen.

Spoerri, der seit 2007 in Wien lebt und gestern gut gelaunt eine eigene Vorbesichtigung unternahm, sei konzeptiv von Anfang an einbezogen worden, schilderte Rudorfer im Gespräch mit der APA: „Es war eine sehr schöne Zusammenarbeit.“ Herausgekommen ist eine Schau, in der von einem Round Up als Auftakt in der Säulenhalle („ein Index der Themen und Medien aus fast 70 Jahren künstlerischer Arbeit“) in loser Chronologie durch das vielfältige Werk des Universalkünstlers geführt wird - von seinen anfänglichen Experimenten mit konkreter Poesie und der Mitbegründung des „Nouveau Realisme“ bis zur Schaffung des zauberischen „Giardino di Daniel Spoerri“ in der Toskana, dem der letzte Raum gewidmet ist. Dazwischen ist der Tisch ganz buchstäblich reich gedeckt: Mit seinen „Fallenbildern“, dem Transformieren von Überresten kulinarischer Zusammenkünfte in künstlerische Objekte, hat er Kunstgeschichte geschrieben. In seiner Eat-Art hat der Begriff Tafelbild eine neue Bedeutung bekommen.

Nicht nur das Kippen der mit Tellern, Flaschen, Gläsern und Besteck meist schwer beladenen Esstische von der Waagerechten in die Senkrechte, auch die Konservierung der übrigen Artefakte seien „eine restauratorische Herausforderung“, gibt die Kuratorin schmunzelnd zu. Brotreste, Zigarettenasche und Gulaschsaft für die Ewigkeit festzuhalten, ist wohl eine Aufgabe für Tüftler mit guten Mägen. Doch dem Zauber, den die „Tableaus pièges“ im Kunst-Kontext entfalten, kann man sich noch heute schwer entziehen.

Die Ausstellung zeigt freilich auch die vielfältigen Interessen des ausgebildeten Balletttänzers und Pantomimen, der 1930 im rumänischen Galati geboren wurde. „Ich bin kein Spezialist im Sinne von irgendetwas. Ich mache nur, was ich meine machen zu müssen von Tag zu Tag“, sagte Spoerri 2019 im APA-Interview anlässlich des Porträtfilms „Dieser Film ist ein Geschenk“ der Wiener Filmemacherin Anja Salomonowitz. „Er hat seine Roten Fäden, die spinnt er über die Jahre weiter“, nennt das Veronika Rudorfer.

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Sie zeigt Spoerris auf der griechischen Insel Symi entstandene „Zimtzauberkonserven“ aus Resten und Abfällen, die zu fetischhaften Objekten erhöht werden, ebenso wie seinen Kurzfilm „Resurrection“ (1968), der rückwärts von den menschlichen Fäkalien über den blutigen Teller, die Bratpfanne, den Fleischhauer bis hin zur Kuh auf der Weide und dem finalen Kuhfladen führt. Spoerris „Collections/Sammlungen“, in denen Schäler oder Nudelräder zu großen Assemblagen arrangiert werden, gibt es ebenso zu sehen wie seine „fadenscheinigen Orakel“, zu subversiven Stoff-Wort-Kunstwerken neu zusammengefügte Wandstickereien.

„Ist nicht die Kunst ein Hinweis auf die Weise, wie man die Welt sieht, immer wieder neu, und in jeder Zeit anders?“, fragt Daniel Spoerri. Die Ausstellung gibt jedenfalls viele Hinweise darauf, dass das stimmen könnte.

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