Karbon wird Rumer Bürgermeister: SPÖ steht zu parteifreier Lösung

Kein SPÖler, aber SPÖ-nah: Mit dem neuen Bürgermeister Josef Karbon konnten die Rumer Roten wohl interne Konflikte abwenden.

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Der neue Rumer Bürgermeister Josef Karbon betont, nie Parteimitglied gewesen zu sein, er teile aber „Werte und Ideale“ der SPÖ.
© Domanig

Rum – Für den neutralen Beobachter wirkt es kurios: Die Rumer SPÖ, seit Jahrzehnten die politisch prägende Kraft in der heutigen 9500-Einwohner-Gemeinde, stellte für die Nachfolge von „Rekordbürgermeister“ Edgar Kopp keinen Kandidaten aus den eigenen Reihen auf. Stattdessen stimmte sie bei der Wahl, wie berichtet, geschlossen für Josef Karbon, der seit 2016 für die – nicht mit der SPÖ gekoppelte – Liste „Das neue Rum“ als Ein-Mann-Fraktion (!) im Gemeinderat sitzt.

Ein „Armutszeugnis“ für die SPÖ, wie kritische Stimmen meinen? SPÖ-Landes- und Bezirksvorsitzender Georg Dornauer sieht das völlig konträr: Er sei sogar „sehr zufrieden“ mit der Lösung, in die er „von Anfang an miteinbezogen“ war. Rum stehe sozialdemokratisch geprägt ausgezeichnet da. Diese Politik wolle man unter der Ägide von Josef Karbon fortsetzen.

Karbon stamme „buchstäblich aus sozialdemokratischem Haus“ (sein im Oktober 2020 verstorbener Vater Josef Karbon sen. war 15 Jahre lang SPÖ-Vizebürgermeister, Anm.), das präge auch seine Wertehaltung, so Dornauer. Auch SPÖ-Ortsvorsitzende Sabine Hölbling betont, Karbon komme „aus unserem Eck“. Der neue Bürgermeister selbst stellt klar, nie Parteimitglied gewesen zu sein. Man teile aber „die gleichen Werte und Ideale“.

„Wenn man das Beste für Rum und seine Bevölkerung erreichen will, dürfen unkonventionelle Ansätze und Lösungen angedacht werden“, befindet auch Vize-BM Romed Giner. „Parteipolitik ist eben auf Gemeindeebene nicht die oberste Priorität.“ Karbon bringe eine „grundsoziale Einstellung“ mit.

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Wie soll die Zusammenarbeit bei den regulären Wahlen 2022 aussehen? Eine gemeinsame Liste? Zwei gekoppelte Listen? Jetzt gehe es erst einmal darum, Karbon Einarbeitungszeit zu geben, meint Dornauer. Die Strategie, wie man in Rum „zu alter Stärke zurückfinden“ wolle, werde man rechtzeitig bekannt geben. Ziel sei jedenfalls, die 2016 verlorene Absolute zurückzuholen, „gemeinsam mit dem neu gewählten Bürgermeister“.

Tatsächlich dürfte die überraschende Lösung ein eleganter Weg gewesen sein, Gräben in der Fraktion „SP Rum und Parteifreie“ zu überwinden. Langzeit-Bürgermeister Edgar Kopp war es nicht gelungen, einen Nachfolger aufzubauen, nach den Wahlen 2016 entschied sich die Mehrheit der Fraktion für Romed Giner als 1. Vizebürgermeister – nicht für Kopps Sohn Christoph. Auf Karbon konnten sich letztlich offenbar alle einigen. (md)


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