Stihl Tirol: Akkugeräte und Mähroboter liegen im Garten im Trend

Stihl Tirol steigerte Umsatz und Mitarbeiterzahl in der Pandemie. Stihl-Tirol-Chef Schaller ärgert sich über die Bürokratie wegen des Brexits.

  • Artikel
  • Diskussion
Stihl-Tirol-Chef Clemens Schaller im Ausstellungsraum des Unternehmens.
© Thomas Boehm / TT

Stihl Tirol feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen. Welche Geräte werden hier in Langkampfen produziert?

Clemens Schaller: Sehr viele verschiedene! Zu ca. einem Drittel „klassische“ Gartengeräte wie Rasenmäher. Zwei Drittel sind Powertools, akkubetriebene Geräte für die Forstwirtschaft und Landschaftspflege, also z. B. Akku-Motorsägen.

Wie entwickeln sich die akkubetriebenen Geräte?

Schaller: Zwei Gründe sind für die steigende Nachfrage verantwortlich: Einmal liegt das Thema Akku im Trend. Das fängt in der Automobilindustrie an. Wobei ich persönlich Akkugeräte für die Forstwirtschaft und Gartenarbeit als sinnvoller erachte. Denn da geht es nicht um 450 Kilometer und mehr Reichweite, sondern um Bedienungskomfort. Der typische Kunde schätzt am Akkuprodukt das einfache Handling, das geringe Gewicht und dass der Akku in mehrere Gartengeräte passt. So eröffnet das akkubetriebene Gerät dem Hobbygärtner ganz andere Perspektiven. Hinzu kommt, dass diese Geräte wesentlich geräuscharmer sind. In der Forstwirtschaft sind zwar benzingetriebene Geräte noch wichtig, doch die leichteren Akku-Motorsägen in den größeren Ausführungen werden durchaus gerne zum Entasten verwendet.

TT-ePaper gratis lesen und ein E-Bike gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen. Der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Welche Innovationen wird es im Bereich der Gartengeräte geben?

Schaller: Die Akkus werden immer leistungsfähiger werden, die Dauer der Laufzeit steigt ständig. Das Gewicht der Produkte spielt bei Innovationen eine zunehmend bedeutsame Rolle. Und: Die Mähroboter werden sich weiter durchsetzen.

Vor welche Herausforderungen stellt die Pandemie Stihl in Tirol?

Schaller: Wir profitierten davon, dass die Menschen Geld übrig hatten und viele während der Lockdowns auf ihren Garten und ihr Haus großen Wert gelegt haben. Das hat unseren Absatz beflügelt. Wir haben dabei auch Marktanteile bei Kunden gewonnen, die nicht aus der Forstwirtschaft kommen. Rascher als erwartet wurden wir an Kapazitätsgrenzen geführt und haben deshalb die Mannschaft stark ausgebaut. Im heurigen Jänner hatten wir 150 Mitarbeiter mehr als im Jänner 2020. Im Februar konnten wir einen Produktionshöchststand, noch dazu in einem so kurzen Monat, verzeichnen. Und auch die Aussichten fürs Frühjahr sind durchaus gut.

Kommt es zu Materialengpässen durch die große Nachfrage?

Schaller: Wir mussten mit unseren Zulieferern sehr intensiv arbeiten, das ist ein bisschen ein Flaschenhals. Die Computer- und Konsolenindustrie zahlt bessere Preise als wir für Elektronikteile oder Chips. Wir kaufen inzwischen auf Spotmärkten, das ist ungewöhnlich. Wir hatten auch Produktionsausfälle durch Insolvenzen von Lieferanten, doch haben wir die Sache im Griff.

Wie entwickelte sich der Umsatz 2020?

Schaller: Schon 2019 verbuchten wir einen Umsatzhöchststand, den haben wir 2020 getoppt. Mit mehr als 700 Mitarbeitern verzeichnen wir auch einen Mitarbeiterhöchststand. Vor der Pandemie waren oft 60 bis 70 Stellen offen, jetzt sind es nur noch 20. Es gelang, Mitarbeiter von anderen Firmen aufzufangen, da wir uns stabil entwickeln und die Stimmung sehr gut ist.

Wie betroffen ist Stihl Tirol vom Brexit?

Schaller: Die britische Vertriebsgesellschaft hat Aufträge platziert wie verrückt. Jetzt beginnt der Amtsschimmel zu wiehern. Die britische und europäische Bürokratie schlägt zu. Jetzt müssen wir neue Herkunftszettelchen und neue Gebrauchsanleitungen unseren Geräten beilegen. Statt des CE-Symbols muss jetzt ein britisches drauf. Das ist mühsamste Bürokratie.

Was wünschen Sie sich bei der Pandemiebekämpfung?

Schaller: Wir wünschen uns Klarheit bei der Strategie im Umgang mit der Pandemie. Denn die Verwirrung steigt. Wir sind ca. 60 Grenzpendler aus Bayern, inklusive mir. Welche Papiere beim Grenzübertritt verlangt werden, variiert.


Kommentieren


Schlagworte