Nawalnys Gesundheitszustand „stabil“

Trotz Berichten über eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny sehen die russischen Behörden wohl keinen Grund zur Besorgnis. Der 44-Jährige sei am Mittwoch untersucht worden, wurde mitgeteilt. „Im Ergebnis der Untersuchung wurde sein Zustand als stabil, befriedigend eingeschätzt.“ Nawalnys Vertrauter Leonid Wolkow meinte hingegen am Donnerstag, das heiße übersetzt, dass der politische Gefangene im Krankenhaus sei.

„Mit ihm passiert etwas gar nicht Gutes“, twitterte Wolkow. Nach seiner Darstellung werden Nawalnys Anwälte derzeit nicht zu dem Politiker vorgelassen, der im Straflager IK-2 in Pokrow rund hundert Kilometer östlich von Moskau inhaftiert ist. Auch am Donnerstag wurde ihnen demnach der Zugang zu Nawalny verwehrt - „ohne Erklärung der Gründe“. Die Anwälte hatten zuvor von Rückenschmerzen Nawalnys und Lähmungserscheinungen eines Beins gesprochen. Wolkow sprach von einem „Folterlager“, in dem Nawalny die „persönliche Geisel“ von Wladimir Putin sei. Den russischen Präsidenten bezeichnete er als „gefährlichen, verrückten Mörder“.

Nawalny selbst macht Putin für einen Mordanschlag auf ihn mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok im August verantwortlich. Er hatte gesagt, dass Putin sich mit der Haft nun dafür räche, dass er das Attentat überlebte. Putin hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Der Putin-Widersacher wurde nach dem Anschlag Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt. Bei seiner Rückkehr am 17. Jänner wurde er am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen. Kurz darauf verurteilte ihn ein Moskauer Gericht zu einer Haft in einem Straflager. Der Grund: Er soll während seines Aufenthalts in Deutschland gegen Meldeauflagen bei russischen Behörden in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben. Die EU und die USA haben gegen Russland Sanktionen verhängt und die Freilassung Nawalnys gefordert.

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