Plus

TT-Leitartikel zu Rudolf Anschobers Rücktritt: Auf den letzten Metern

Rudolf Anschober hätte allzu gerne die Pandemie für bekämpft erklärt. Dazu fehlte ihm am Ende die Kraft. Dass er in seiner Abschiedsrede den Kanzler nicht einmal ignorierte, gibt aber auch Auskunft über diese Regierung.

  • Artikel
  • Diskussion (5)
Michael Sprenger

Leitartikel

Von Michael Sprenger

Rudolf Anschober war lange Zeit der populärste grüne Minister des Kabinetts Sebastian Kurz II. Auch sehr zum Leidwesen des Kanzlers, der es bislang nicht gewohnt war, das Scheinwerferlicht mit anderen teilen zu müssen. Anschober war eine Art Gegenentwurf zu Kurz. Der Minister verzichtete bewusst auf Angstparolen, machte niemandem ein X für ein U vor, versuchte zu erklären. Und ja, er entschuldigte sich, wenn Fehler gemacht wurden. Und es wurden Fehler gemacht. Er übte sich dabei nicht in Schuldzuweisungen. Je länger jedoch die Gesundheitskrise andauerte, desto mehr wurde aus seinem verbindenden Ton ein pastoraler. Seine Schautafeln und die immer wiederkehrenden Phrasen von den entscheidenden Metern und Wochen im Kampf gegen die „größte Gesundheitskrise seit 100 Jahren“ nahmen an Wirkkraft merklich ab.


Kommentieren


Schlagworte