Zu Besuch am Naudersberg: Ein Schloss, das viel erzählt

Schloss Naudersberg thront hoch über der beschaulichen 1500-Seelen-Gemeinde Nauders im Drei-Länder-Eck Österreich-Italien-Schweiz. Ein Besuch kann begeistern.

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Schloss Naudersberg ist das Wahrzeichen von Nauders und befindet sich im Privatbesitz der Familie Laurent.

Von Elisabeth Zangerl

Nauders – „Die Weltgeschichte sammelt auf unsere Kosten sehr große Schätze“, stellte einst schon Johann Wolfgang von Goethe geistreich fest. Das Schloss Naudersberg ist wahrlich reich an Geschichte. Wie weit diese genau ­zurückführt, an dieser Frage scheiden sich die Geister. Während die erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1325 zurückzuführen ist, sieht das Schlossherr Martin Laurent, der selbst umfangreich recherchiert hat, anders. Auch Autor Oswald Trapp unterstreicht in seinem Werk „Tiroler Burgenbuch“ dieselbe These – darin heißt es: „Da der freie Burghügel von Naudersberg die einzige Erhebung im weiten Talboden ist, kann mit einiger Wahrscheinlichkeit angekommen werden, dass auf ihm bereits in früher Zeit jener Turm stand.“

Dass dieses Schloss in fremde Hände gerät, wäre für mich undenkbar gewesen.
Martin Laurent (Schlossherr)

Schloss Naudersberg steht mittlerweile im Besitz der Familie Laurent. Schlossherr Martin Laurent selbst ist hier sogar aufgewachsen, gehört hat das Schloss einst den Großeltern, in weiterer Folge der Tante, bis es Martin Laurent 2011 gemeinsam mit seiner Gattin Karin erworben hat: „Dass dieses Schloss in fremde Hände gerät, wäre für mich undenkbar gewesen. Reiche Investoren hätten ein Luxushotel daraus gemacht“, ist Laurent überzeugt und erwähnt, dass für ihn sehr viel Herzblut in dieser Schlosserhaltung steckt.

Im Museum gibt es auch eine Ritterrüstung zu sehen.

Mittlerweile ist Schloss Naudersberg ein Museum, Wohnstätte der Familie, ein Sommercafé und Feriendomizil zugleich (zwei Ferienwohnungen), seit den frühen 1980er-Jahren auch ein Standesamt. Hinter den dicken Schlossmauern, hinter welchen es im Winter oftmals zieht, wie Martin Laurent schmunzelnd gesteht, hat sich im Laufe der tausendjährigen Geschichte vieles abgespielt. Nicht nur Schönes.

Ende des 15. Jahrhunderts etwa wurde das Schloss geplündert und in Brand gesetzt, im Anschluss wieder aufgebaut. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Bergfried weiter aufgestockt und ist seitdem sechsgeschoßig – besonders dieser Turm trägt eine finstere Vergangenheit in sich. Die Arrest-Räume mit ihren Eisentüren und Gucklöchern lassen die Zeit als Gefängnisstätte wieder hochkommen. In weiterer Folge diente Schloss Naudersberg bis 1919 als Gerichtsstätte. Auch Hexenverbrennungen wurden hier im Mittelalter durchgeführt, ebenso wurde das Schloss während diverser Kriege belagert.

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Ein Großteil der Innenräume wird nun als Museum genützt – Martin Laurents Werkstatt ist zudem im Schloss untergebracht: „Es gibt immer was zu tun in diesem großen Schloss“, erklärt er. Im Museum werden bäuerliche und handwerkliche Exponate präsentiert. Die Familie Laurent freut sich über Gespräche mit Besuchern und erzählt etwa die Sage rund um den Hexenmeister Florian Scheibenstock. Die Öffnungszeiten sind im Winter am Freitag von 16–20 Uhr, im Sommer von Mo bis Fr von 13.30–17.30 Uhr sowie am Mittwoch zusätzlich von 10–12 Uhr.


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