Tiroler Widmungsbilanz hält für Tratter Ländervergleich stand

Tirol bei Rückgang von Baulandquote und Baulandreserven im Spitzenfeld. Landesrat denkt Rückwidmungen für statistische Bereinigungen an.

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Problemfall Ballungsraum: Der Druck auf dem Wohnungsmarkt steigt von Jahr zu Jahr.
© Thomas Boehm / TT

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Für 2020 weist die Widmungsbilanz des Landes ein Plus von 0,42 Prozent aus. Das heißt, dass mit Jahresende um 97 Hektar mehr für baulich intensive Nutzung gewidmete Flächen vorhanden waren als zu Jahresbeginn. Aber: Der Zuwachs fiel (gering) niedriger aus als 2019. Eine Bilanz, für die Raumordnungslandesrat Johannes Tratter (VP) keinen Applaus der Opposition und des grünen Koalitionspartners erntete, die TT berichtete. Stattdessen fordert man mehr Taten ein, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Diesbezüglich hatte unlängst auch die Umweltschutzorganisation WWF in ihrem „Boden-Report“ Alarm geschlagen. Anstatt wie bisher österreichweit pro Tag über 13 Hektar neu zu verbauen, wird eine Eindämmung des Flächenfraßes bis 2030 auf lediglich einen Hektar pro Tag gefordert. Zum Vergleich: Türkis-Grün haben in ihrem Koalitionspapier als Ziel festgelegt, den Flächenverbrauch bis 2030 auf netto 2,5 Hektar pro Tag zu senken. Zusätzliche Bodenversiegelung müsse durch Entsiegelung entsprechender Flächen kompensiert werden.

Tratter weiß, dass auch Tirol weiter an dieser Schraube drehen müssen wird: „Fehler aus den 80ern können wir nicht rückgängig machen und wir können auf Dauer auch nicht nicht-widmen. Die aktuelle Richtung stimmt aber.“ Hierzu hält er den Kritikern die Vergleichszahlen anderer Bundesländer entgegen. Diese beruhen unter anderem auf Zahlen der Abteilung Raumordnung und Landesstatistik und jenen der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK). Gemäß der ÖROK ging der Anteil der Baulandreserven am gesamten Bauland in Tirol zwischen 2014 und 2017 um gut neun Prozent auf 18,2 Prozent zurück. Einen stärkeren prozentuellen Rückgang konnten nur Oberösterreich und Kärnten verzeichnen. Und auch das gewidmete Bauland je Einwohner sank im selben Zeitraum von 305 auf 292 Qua­dratmeter. Das ist der stärkste Rückgang aller Länder. Österreichweit lag der Wert bei minus neun Quadratmeter. Die ÖROK erhebt diese Daten laut Raumordnungsabteilung nur alle drei Jahre. Ergebnisse für den aktuellsten Zeitraum 2018–2020 sollten heuer vorgelegt werden.

Ein Teil des Rückgangs ist durch den Bevölkerungsanstieg erklärbar. Tirol wächst. Von rund 729.000 (2014) auf (vorläufig) 760.000 (2020) Personen mit Hauptwohnsitz. Ein Plus von 4,3 Prozent. Je mehr Köpfe, desto kleiner wird auch die Baulandquote. Aber: Mit der Einwohnerzahl steigt auch der Widmungsdruck. Trotzdem sank das gewidmete Bauland in Tirol zwischen 2017 und 2019 um etwas über 1,5 m²/Einwohner.

Die Bilanz für Tirol würde noch besser ausfallen, so Tratter, würde all jenes Bauland wegfallen, das zwar gewidmet, de facto aber nicht mehr bebaut werden könne. Weil eben die Erschließung nicht mehr gegeben oder aber Flächen im Laufe der Jahre als rote Zone ausgewiesen wurden. Tratter will hier Rückwidmungen andenken. Interne Schätzungen gehen davon aus, dass sich der Baulandüberhang dadurch schon spürbar verringern würde. Genaue Zahlen gibt es hierfür aber nicht. Falle die Bauland-Eigenschaft weg, dürften Gemeinden auch nicht entschädigungspflichtig sein.

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Indes wehren sich die gewerblichen Bauträger gegen den Vorstoß der Neuen Heimat Tirol (NHT). Diese hatte vom Land via TT u. a. gefordert, nicht geförderte Wohnvorhaben dieser Bauträger einer Bedarfsprüfungspflicht zu unterwerfen. Auch das solle dem Anleger-Boom Einhalt gebieten. Michael Kugler, Sprecher der gewerblichen Bauträger in der Wirtschaftskammer, rechnet vor, dass der Anlegermarkt in Tirol lediglich bei 20 Prozent liege. Der wahre Preistreiber liege im geringen Bauvolumen: „Wir benötigen höhere Dichten und einen Stopp der ­Blockadepolitik in den ­Umlandgemeinden.“


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