Güterverkehr: „Kapazität der Schiene wird an seine Grenze stoßen"

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Das stark steigende Güteraufkommen soll auf die Schiene verlagert werden.
© ÖBB RCG-David-Payr

Wien – In einer neuen Studie kommt Verkehrsexperte Sebastian Kummer zum Ergebnis, dass selbst bei „optimistischer Annahme“ die politischen Ziele für die Verlagerung von Gütern auf die Schiene unrealistisch seien.

Die von der Regierung anvisierten 49 Prozent mehr Straßentransport bis 2040 könne die Schiene nicht auffangen. „Selbst wenn der von Bahn und Politik angestrebte Anteil von 40 Prozent am Modal Split erreicht wird, würde der Straßengüterverkehr bis 2040 um mehr als ein Fünftel steigen“, rechnet Kummer vor. Die Kapazität der Schiene werde – nicht zuletzt durch den wachsenden Personenverkehr – selbst bei Realisierung aller geplanten Ausbaumaßnahmen ab 2030 an ihre Grenzen stoßen. Die Antwort auf diese Herausforderungen könne nur ein beide Verkehrsträger umfassendes, integriertes und nachhaltiges Konzept sein, so Kummer. Es gehe nicht um die Frage Schiene oder Straße, sondern darum, wo man wie viel dekarbonisieren könne.

Die ÖBB ihrerseits verweisen gegenüber der TT auf den geplanten Ausbau der Schieneninfrastruktur. Zusätzlich ermögliche unter anderem die Digitalisierungs- und Innovationsoffensive der ÖBB Rail Cargo Group einen zunehmend reibungslosen Einstieg in die Bahnlogistik und in multimodale Transporte. Man werde den steigenden Personen- und Güterverkehr auf der Schiene bewältigen können, so ÖBB-Chef Andreas Matthä. Die 2020er würden zu einer Renaissance des Schienengüterverkehrs führen, ist sich der Bahn-Chef sicher.

Notwendig seien aber auch europaweit faire gesetzliche Wettbewerbsbedingungen, damit die Bahn auch zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten könne. „Es gibt derzeit ein Ungleichgewicht bei der Einpreisung der externen Kosten zugunsten der Straße“, betont Matthä. (hu)


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