Kurzfilmfestival „Vienna Shorts“ wird in Schweden geplant

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Festival-Machen hat früher auch mal anders ausgesehen. Im Wiener Büro des Kurzfilmfestivals „Vienna Shorts“ halten nur noch die Grünpflanzen die Stellung. Hierher kommt man nur noch zum Blumengießen. Arbeit, Planung und Austausch finden dezentral statt. „Ein großer Teil des Teams ist sehr jung und hat sich sehr schnell mit Home-Office und regelmäßigen Online-Treffen zurechtgefunden“, sagt Festivaldirektor Daniel Ebner. Er selbst arbeitet derzeit von Schweden aus.

„In Schweden ist das Internet eh‘ besser, das ist schon mal ein Vorteil“, lacht Ebner. Zwar hat der gebürtige Vorarlberger nicht deswegen, sondern aus privaten Gründen seit Jahresbeginn im kleinen Arbeitszimmer einer Wohnung in der schwedischen Universitätsstadt Uppsala sein Hauptquartier aufgeschlagen, doch hätte er es schlimmer treffen können, weiß er aus den regelmäßigen Zoom-Meetings mit Festivalmachern aus der ganzen Welt: „Man merkt schnell, wo der Breitbandausbau schon gut funktioniert hat.“

Obwohl das 18. Wiener Kurzfilmfestival erst am 27. Mai beginnt, „sind wir eigentlich im Vollstress“. Mit der am 1. April startenden Festivalplattform „This Is Short“ bietet man gemeinsam mit dem holländischen Go Short, den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und dem polnischen Short Waves Festival bis Ende Juni ein dichtes kuratiertes Online-Filmangebot inklusive neuem Wettbewerb. „Es fühlt sich an, als hätten wir uns noch ein Festival aufgehalst“, schildert Ebner lachend, was herauskommt, wenn geballter Kuratorenehrgeiz und digitale Möglichkeiten auf europäischer Ebene gebündelt werden.

Die Auswahl für den Wiener Wettbewerb ist mittlerweile abgeschlossen, mit rund 5.000 Einreichungen lag die Anzahl zahlenmäßig in etwa bei den Vorjahren. Thematisch hat sich die Pandemie durchaus signifikant niedergeschlagen. „Das ist ja auch eine der Stärken der kurzen Form, dass man schnell reagieren kann auf das, was rund um uns passiert. Der Langfilmbereich ist da wesentlich schwerfälliger“, erklärt der Festivalleiter im Gespräch mit der APA. In welcher Form das Programm der „Vienna Shorts“ sein Publikum finden wird, steht freilich derzeit noch in den Sternen.

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„Im Moment gehen wir davon aus, dass zumindest drei Viertel online stattfinden werden. Aber wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass einige Programme im Kino stattfinden können. Nach uns kommen ja Crossing Europe und die Diagonale - das wäre ein schöner Festival-Neustart. Aber die Skepsis wird größer.“ Schon im vergangenen Jahr musste man in Windeseile das Festival in den virtuellen Raum verlegen. „Uns allen hat der soziale Aspekt des Festivals sehr gefehlt.“ Diesmal hat man mehr Vorbereitungszeit, um auch im Digitalen Sozialräume zu etablieren. Mit dem neuen Medienkunst-Festival CIVA ist man diesbezüglich im Austausch, auch Online-Kinos, in denen Avatare sitzen und sich austauschen, gibt es bereits. „Das Guanajuato Film Festival in Mexico hat in sehr eindrucksvoller Weise gezeigt, wie es im Online-Space gehen kann“, weiß Ebner, warnt jedoch gleichzeitig davor, die Filmkunst mit hippen digitalen Tools zu sehr in Richtung Gamification zu treiben.

Eines sei jedenfalls klar, hält der Festivalleiter fest: Das „Vienna Shorts“-Büro ist zwar zu, die Arbeit an der nächsten Festival-Ausgabe ist aber so intensiv und zeitaufwendig wie noch nie - schließlich muss on- und offline geplant werden, ändern sich Finanzierungs- und Förderstrukturen ebenso wie die Vorschriften. „Bei Bund und Stadt bringt man uns glücklicherweise viel Vertrauen entgegen. Aber im zweiten Jahr ist das Programmieren unter diesen Voraussetzungen deutlich schwieriger. Es ist nicht mehr soviel Abenteuerlust dabei. Es braucht mehr Energie, sich immer wieder neu zu motivieren und positiv zu bleiben.“

Und wie erlebt Ebner eigentlich den schwedischen Weg durch diese Pandemie? „Es ist interessant zu sehen, wie viel mehr auf Selbstverantwortung gesetzt wird und wie viel weniger auf Verbote und Gesetze. Das hat allerdings auch zur Folge, dass ich wie ein Alien angeschaut werde, weil ich meist der einzige bin, der eine Maske trägt. Was mir in Schweden auch gut gefällt ist, dass Experten und nicht Politiker die Entscheidungen im Umgang mit der Pandemie treffen. Die mentale Gesundheit der Leute ist dabei ein Aspekt, der mehr als in Österreich Berücksichtigung findet.“ Eine Folge davon: „Die Kinos können offenhalten, wenn Abstände eingehalten werden. Es ist letztlich ihre eigene Verantwortung.“

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