Aung San Suu Kyi vor Gericht in Myanmar erschienen

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Zwei Monate nach dem Militärputsch in Myanmar ist die entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi erneut vor Gericht erschienen. „Sie war klug und charmant wie immer“, sagte ihr Anwalt Khin Maung Zaw am Donnerstag. Bei erneuten Protesten gegen die Militärjunta wurden mindestens zwei Menschen getötet. Das Rote Kreuz beklagte, dass seine Mitarbeiter zum Ziel von Angriffen der Sicherheitskräfte geworden seien. Die UN-Sondergesandte warnte vor einem Bürgerkrieg.

Bei Suu Kyis gerichtlicher Anhörung in der Hauptstadt Naypyidaw ging es nur um verfahrenstechnische Fragen sowie die formelle Ernennung von acht Verteidigern. Ein weiterer Gerichtstermin ist für den 12. April angesetzt. Die körperliche Verfassung der 75-Jährigen sei „gut“, sagte Khin Maung Zaw vor Reportern. Suu Kyi wurde nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen, seit sie am 1. Februar vom Militär abgesetzt und unter Hausarrest gestellt worden war.

Die Friedensnobelpreisträgerin sieht sich einer Reihe von strafrechtlichen Anschuldigungen gegenüber, darunter wegen Besitzes von Funkgeräten ohne die erforderliche Genehmigung, Verletzung von Corona-Bestimmungen und Aufforderung zum öffentlichen Aufruhr. Auch werfen ihr die Militärbehörden vor, umgerechnet gut 500.000 Euro und mehr als elf Kilogramm Gold als Schmiergeldzahlungen angenommen zu haben. Bei einem Schuldspruch könnte sie lebenslang von allen politischen Ämtern ausgeschlossen werden.

Am Donnerstag kam es erneut zu Protesten mit Todesopfern und vielen Verletzten. In Monywa im Zentrum des Landes wurde ein Demonstrant erschossen. Zehn Menschen seien verwundet worden, berichteten Rettungssanitäter der Nachrichtenagentur AFP. Auch in der zweitgrößten Stadt Mandalay wurde ein Menschen getötet, sechs weitere wurden verletzt.

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Seit dem Militärputsch vor zwei Monaten sieht sich die Junta massiven Protesten gegenüber, gegen die sie äußerst brutal mit Tränengas, Gummigeschossen und scharfer Munition vorgeht. Nach Angaben von Aktivisten wurden dabei bereits mehr als 535 Menschen getötet.

Derweil sieht sich die Internationale Föderation des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes im Visier der Sicherheitskräfte. „Ersthelfer und Sanitäter des Roten Kreuzes in Myanmar sind zu Unrecht festgenommen, eingeschüchtert oder verletzt worden, und Eigentum des Roten Kreuzes sowie Krankenwagen wurden beschädigt. Das ist inakzeptabel“, sagte der Direktor für die Asien-Pazifik-Region, Alexander Matheou.

Angesichts des immer härteren Vorgehens der Generäle gegen die Bevölkerung hat die UN-Sondergesandte vor einem Bürgerkrieg und einem „Blutbad“ in Myanmar gewarnt. Christine Schraner Burgener appellierte am Mittwoch (Ortszeit) an den UN-Sicherheitsrat, „eine Katastrophe im Herzen Asiens zu verhindern“. Chinas UN-Botschafter sprach sich bei der Dringlichkeitssitzung des UN-Gremiums für einen „demokratischen Übergang“ aus, lehnte Sanktionen gegen das Land aber ab. Peking unterhält gute Beziehung zu seinem südlichen Nachbarn.

International wächst die Sorge, dass ein weitaus größerer Konflikt in dem Land ausbrechen könnte, das seit Jahrzehnten von immer wiederkehrenden Kämpfen zwischen dem Militär und verschiedenen ethnischen Rebellenarmeen geprägt ist. Einige der rund 20 bewaffneten ethnischen Gruppen haben bereits ihren Widerstand gegen die putschenden Generäle angekündigt.

Die älteste Gruppe von Aufständischen im Land, die Nationale Union der Karen (KNU), hatte am Dienstag vor einer größeren Regierungsoffensive im Osten des Landes gewarnt. Am Wochenende hatte das Militär Stellungen der KNU bombardiert. Wegen der Kämpfe und des Putsches sind Tausende Menschen aus Myanmar nach Thailand und Indien geflohen.


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