Fragezeichen hinter Wiener Zeitung und deren Fortbestand

Die Redaktion der republikseigenen Zeitung kämpft um deren Fortbestand.

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Wien – Die Zukunft der Wiener Zeitung, der ältesten Tageszeitung der Welt, ist fraglich. Die Zeichen für die Fortführung einer täglichen Printausgabe des im Eigentum der Republik Österreich stehenden Mediums haben sich weiter verschlechtert. Geschäftsführer Martin Fleischhacker hat die Belegschaft per E-Mail über „eine heikle Situation“ informiert: Es sei davon auszugehen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen die Fortführung einer Tageszeitung in der heutigen Form nicht mehr möglich machen, schreibt ­Fleischhacker.

Der Zeitung brechen die Haupteinnahmen weg, weil die Pflichtinserate im Amtsblatt der Wiener Zeitung in Umsetzung von EU-Recht auf Geheiß der Bundesregierung abgeschafft werden sollen. Demnach sollen größere Unternehmen ihre Jahresabschlüsse und Bilanzen künftig nicht mehr in Papierform im Amtsblatt veröffentlichen, sondern in digitaler Form.

Laut Chefredakteur Walter Hämmerle liegen die Einnahmen aus den Pflichtveröffentlichungen bei jährlich 18 Millionen Euro. „Ich verstehe, dass Unternehmen ihre Bilanzen künftig digital veröffentlichen, das ist zeitgemäß“, sagt Hämmerle. Gleichzeitig betont er den hohen journalistischen Wert der Wiener Zeitung, die bisher keine Presseförderung erhielt.

Hämmerle verantwortet ein Redaktionsteam von 63 Mitarbeitern. Zusammen will man nun der Geschäftsführung und dem Eigentümer Republik Österreich ein Reformkonzept vorlegen. „Wir können auch mit neun bis zehn Millionen Euro eine gute Zeitung machen“, betont der aus Vorarlberg stammende Hämmerle. Sein aktueller Vertrag endet im August 2021, ebenso jener von Geschäftsführer Fleischhacker.

Letzterer relativiert seine E-Mail-Aussagen gegenüber der APA. Es seien „gute Ideen für den Erhalt als Tageszeitung, aber auch für alternative Modelle vorhanden“, so Fleischhacker. Noch sei nichts entschieden. (mark)


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