Salzburg stellt Erfolg in Meistergruppe über Entwicklung

Mit dem Wissen, die Konkurrenz im Vorjahr in der Meistergruppe dominiert zu haben, startet Red Bull Salzburg am Sonntag gegen Sturm Graz in die entscheidende Phase der Fußball-Bundesliga. Vier Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger Rapid nimmt der Tabellenführer in die letzten zehn Runden mit. Die Hütteldorfer gastieren schon davor beim WAC. Der LASK braucht gegen Tirol drei Auswärtspunkte, will man die kleine Titelchance nicht vorzeitig begraben.

Für die Salzburger ist der Auftaktgegner zugleich so etwas wie der Angstgegner. In der Liga hat der Serienmeister beide bisherigen Saisonduelle mit Sturm Graz verloren, im Cup-Halbfinale gab es dafür ein 4:0. „Wir sind bereit für eine gute Mannschaft, für einen guten Kampf“, versicherte Salzburg-Trainer Jesse Marsch. Im Vorjahr sei man in der Finalphase nach der Corona-Pause jede Sekunde mit vollem Fokus auf dem Platz gewesen, als Lohn gab es acht Siege, zwei Remis und den siebenten Meistertitel in Folge. „Diesen mentalen Gedanken brauchen wir wieder. Wir waren fit, wir waren mental stark und wir waren bereit für den wichtigsten Moment der Saison.“

Um neuerlich das Double nach Salzburg zu holen, will sich Marsch auf keine Experimente einlassen - und damit der Clubstrategie zum Trotz auch nicht über Gebühr auf junge Spieler setzen. „Es ist jetzt nicht die Zeit, um über Entwicklung nachzudenken“, meinte der US-Amerikaner. „Wir müssen unsere beste Leistung in jedem Spiel abliefern. Wir spielen mit der Mannschaft, von der wir glauben, dass sie diese Situation schaffen kann.“

Die Hoffnungen ruhen unter anderem auf Patson Daka. Der 22-Jährige aus Sambia hat in den jüngsten sechs Ligapartien getroffen. Gelingt ihm dies auch gegen Sturm, würde er den Clubrekord von Marc Janko und Jonatan Soriano einstellen. Mit 20 Toren in nur 18 Einsätzen führt Daka die Liga-Schützenliste an.

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In der Meisterschaft haben die Salzburger im Kalenderjahr 2021 bisher nur gegen Sturm Punkte abgegeben. Drei Ligasiege gegen Salzburg in einer Saison sind in der Red-Bull-Ära (seit 2005) bisher noch keinem Team gelungen. „Da haben wir schon einmal einen Auftrag, das wäre nahezu perfekt“, sagte Sturm-Coach Christian Ilzer. Salzburg sei aber immer noch das dominante Team der Liga. „Uns ist bewusst, welcher Gegner auf uns zukommt, und was wir leisten müssen.“

Zweimal haben die Grazer die „Gunst der Stunde“ (Ilzer) schon genutzt. „Wir haben gesehen, wenn man in allen Bereichen eine Topleistung abruft, ist Salzburg auch besiegbar“, meinte der Sturm-Coach. „Wir fahren mit dem Vorhaben nach Salzburg, nicht zu passiv, nicht zu inaktiv zu sein.“

Auf den WAC und Rapid wartet in der ersten Runde ein Spiel mit richtungsweisendem Charakter. Die Kärntner wollen mit dem ersten Saisonsieg über Rapid Platz zwei attackieren. Die Wiener hingegen könnten die „Wölfe“ wohl nachhaltig abschütteln und zudem Trainer Dietmar Kühbauer im ersten Spiel nach der Vertragsverlängerung ein Geschenk zum 50. Geburtstag bereiten. Sechs Punkte trennen die Teams vor der Partie.

„Für uns ist es ein richtungsweisendes Spiel. Weil wir mit einem Sieg voll dabei wären“, wusste WAC-Trainer Roman Stary. Der (vorerst) Interims-Nachfolger von Ferdinand Feldhofer erwartet zehn Endspiele. „Wir wissen Bescheid. Wir haben im Grunddurchgang nur gegen Sturm und Salzburg Punkte geholt. Nun wollen wir auch gegen die anderen Vereine punkten. Da kommt uns Rapid mit einem Heimspiel sehr gelegen.“

Für Kühbauer hingegen käme ein Auswärtssieg einer Vorentscheidung gleich. „Die Punkte sind jetzt wertvoller als im Grunddurchgang. Mit einem Sieg ist der WAC weg. Neun Punkte kann man in neun Runden nicht mehr aufholen, davon können wir ausgehen.“ Rapid hat beide Saisonduelle mit den Kärntnern (4:3, 1:0) gewonnen und könnte mit einem Sieg zumindest kurzfristig bis auf einen Punkt an die Salzburger heranrücken, die erst um 17.00 Uhr Sturm Graz empfangen. Am kommenden Wochenende dann gastiert der Titelverteidiger in Wien-Hütteldorf.

Will der LASK seine kleine Titelchance nicht vorzeitig begraben, ist ein Sieg bei Außenseiter WSG Tirol Pflicht. Fünf Punkte liegen die Linzer hinter Leader Salzburg, vom Titel wollte LASK-Coach Dominik Thalhammer aber ohnehin nicht reden. „Wir haben gegen die Top-Zwei-Teams (Salzburg, Rapid) null Punkte gemacht“, betonte er. Die Tiroler können die Sache jedenfalls entspannt angehen.

„Wir wollen uns für das, was wir uns in den letzten Wochen erarbeitet haben, belohnen“, sagte Thalhammer, dessen Team in der Rückrunde des Grunddurchgangs allerdings vier Niederlagen hinnehmen musste. Eine der Niederlagen im Frühjahr passierte beim Heim-2:4 just gegen das Team aus Wattens, das schon in der Hinrunde gegen die „Athletiker“ ein 1:1 geholt hatte. „Es zipft uns voll an, dass wir nur einen Punkt gegen sie geholt haben. Das wollen wir ändern und motiviert uns“, stellte Thalhammer klar. Klar sei aber auch: „Die WSG ist eine starke Mannschaft und steht völlig verdient in der Meistergruppe.“

Die WSG war im Grunddurchgang zwar lange in den Top-Sechs gelegen, rutschte letztlich aber erst dank St. Pöltens 3:3-Ausgleich in der Nachspielzeit gegen Hartberg in die Meistergruppe. „Es war sehr angenehm, dass der Druck ein wenig abgefallen ist“, berichtete WSG-Coach Thomas Silberberger über die Länderspielpause. Nun hat man aber Hunger auf mehr bekommen, will nicht einfach nur mitspielen. „Wir treten in der Meistergruppe nicht an, um sie als Sechster zu beenden“, stellte Silberberger klar. Er bezeichnete Platz vier als „lohnendes Ziel. Weil wir dann a) eine direkte Qualifikation für den Europacup und b) eine Woche länger Urlaub hätten.“


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