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TT-Leitartikel zu Iran-Atomabkommen: Abkehr vom Kalkül der Eskalation

Nach der Einigung auf den Atomdeal mit dem Iran im Sommer 2015 waren die Hoffnungen auf ein Ende eines der gefährlichsten Konflikte groß. Trump machte alles zunichte. Mit den Gesprächen in Wien gibt es nun wieder Hoffnung.

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Christian Jentsch

Leitartikel

Von Christian Jentsch

Im Juli 2015 feierte die Welt ein als historisch bezeichnetes Abkommen. Nach jahrzehntelangem Ringen einigten sich die UNO-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland in Wien auf ein Atomabkommen mit dem Iran. Teherans Verpflichtung, die Urananreicherung zu beschränken und sein Atomprogramm der Kontrolle der Atomenergiebehörde zu unterwerfen, sollte mittelfristig den Bau einer iranischen Atombombe verhindern. Im Gegenzug sollten die harten Sanktionen des Westens gegen den Iran, mit denen das ölreiche Land in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wurde, gelockert werden. Mit dem Deal wollte man in erster Linie einen der gefährlichsten Konflikte auf der Weltbühne entschärfen. Und gleichzeitig hoffte man auf eine gesellschaftliche Öffnung im schiitischen Gottesstaat, getragen von Irans betont prowestlicher Mittelschicht und gemäßigten Politikern im komplizierten Machtapparat Teherans. Und: Nicht zuletzt Europa hoffte auf gute Geschäfte mit einem Land, das nach jahrzehntelanger Isolation gewaltigen Aufholbedarf in fast allen Bereichen hatte und in dem enormes Potenzial schlummert.


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