Noch viele Fragezeichen trotz Durchimpfung im Bezirk Schwaz

Zwischen Hoffnung und Skepsis schwankt die Stimmung in der „Europäischen Modellregion Schwaz“, wo die zweite Teilimpfung ansteht.

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Ab heute wird wieder geimpft im Bezirk Schwaz. Etwa 46.000 Menschen erhalten die zweite Teilimpfung.
© Thomas Böhm

Von Angela Dähling und Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Rund 46.000 Menschen haben sich laut Land Tirol Mitte März an der bezirksweiten Impfaktion in Schwaz beteiligt. Jetzt erhalten sie im Rahmen der „Europäischen Modellregion Schwaz“ ihre zweite Teilschutzimpfung mit BioNTech/Pfizer. Geht damit und mit dem heutigen Ende der Ausreise-Testpflicht im Bezirk die Hoffnung auf Lockerungen der Corona-Maßnahmen in der Region einher?

„Ich bin da eher skeptisch. Wenn es sich bei Corona wie bei der Grippe verhält, wird es immer wieder eine neue Impfung wegen der Mutationen brauchen“, meint ein Schwazer. Ein Zillertaler ist froh um die vorgezogene Impfung im Bezirk. Er glaubt aber nicht, dass das zu Vorteilen oder Lockerungen führt. „Es kann ja wohl schlecht ein Gasthaus in Schwaz aufsperren, aber in Wattens nicht. Das wird noch alles dauern“, sagt er. Genauso sieht das eine junge Schwazerin. Ihr sei bewusst, dass die Impfung kein „Allheilmittel“ sei und „uns die strengen Maßnahmen noch lange begleiten werden“. Die Hoffnung sei zwar da, aber die Stimmung aufgrund der Entwicklungen eher mau. „Es ändert sich ja nichts. Man muss trotzdem teils testen, Maske tragen, Abstand halten und das soziale Leben bleibt eingeschränkt“, sagt sie. Ein Jenbacher meint: „Ich lebe gesund, achte auf meinen Körper. Es kann nicht sein, dass ich, nur weil ich mich nicht impfen lasse, benachteiligt werde.“

Bis Ende Mai werde sich wohl nicht viel ändern, meint ein Fügener, der gerade von Corona wieder genesen ist. „Mit Impfung wäre die Erkrankung bei mir vielleicht noch milder verlaufen, aber ich stehe zu meiner Entscheidung,“ fügt er an. Ein Fügener Unternehmer hingegen wünscht sich Vorteile für alle Geimpften: „Mir wären israelische Verhältnisse am liebsten.“ Die Meinungen sind also noch vielfältiger als die Corona-­Mutationen.

Im SZentrum in Schwaz steht die Infrastruktur für die anstehenden Impftage noch vom letzten Mal. „Wir haben nur ein paar Feinheiten angepasst“, sagt der Corona-Beauftragte Gert Delazer. Ab 6 Uhr sind die ersten freiwilligen Helfer heute vor Ort, um die Impfdosen vorzubereiten. Ab 7 Uhr geht’s in Schwaz los. Delazer hofft, dass alle von der Erstimpfung auch dieses Mal wieder erscheinen. „Da braucht es schon noch etwas Motivation“, meint er.

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Am Schwazer Krankenhaus ist die Lage stabil, wie der ärztliche Direktor Peter Heininger erklärt. Sieben Covid-Patienten befanden sich gestern auf der Normalstation, einer auf der Intensivstation. Im November gab es hier Zeiten mit 60 Covid-Patienten. Die Patiente­n sind jetzt überwiegend mittleren Alters. „Es kann sein, dass sich die Durchimpfung der über 80-Jährigen schon auswirkt“, meint Heininger. Sicher sei das nicht. Aber dazu und zu den Mutationen liefen Studien. „Jeder, der eine Pipette halten kann, scheint derzeit eine Studie auf dem neuen Feld namens Corona zu machen. Es wird von allen Seiten beackert“, setzt er schmunzelnd nach.

Die Covid-Patienten im BKH Schwaz hätten entweder Vorerkrankungen oder seien übergewichtig, weiß der zuständige Primar Hannes Gänzer. „Auch etliche, die ihre erste Teilimpfung hatten, liegen bzw. lagen in den letzten Wochen bei uns“, fügt er an. Die Testpflicht bei Ausreise aus dem Bezirk habe vielleicht dazu beigetragen, dass sich die südafrikanische Mutatio­n nicht weiter ausgebreitet hab­e. Auch die ursprüngliche Covid-Variante gebe es kaum noch. Dafür sei die britische Mutation jetzt dominant. 80 bis 90 Prozent der Covid-Erkrankten im Spital Schwaz habe sie, ein Drittel davon die Mutation E484K.

„Ob die Impfung gegen dies­e Fluchtmutante hilft, wissen wir nicht“, sagt Gänzer. Der volle Impfschutz im Bezirk dürfte mit Ende April gegeben sein, dann werde sich herausstellen, wie viele dennoch erkranken. Gänzer: „Bei rund drei Prozent wird es trotz Vollimpfung zur Ansteckung kommen. Aber das ist normal und bei jeder Impfung so.“


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