Liverpools letzte Titelchance schwindet in Madrid

Real Madrid hat das Tor zum Halbfinale in der Fußball-Champions-League am Dienstag weit aufgestoßen und Liverpools letzte realistische Titelchance in der Saison 2020/21 geschmälert. Das 3:1 von Madrid lässt die fehlerhaften Engländer im Hinspiel mit einem Auswärtstor davonkommen und auf eine magische Aufholjagd im leeren Anfield hoffen - doch Real scheint derzeit das stabilere Team zu sein. Das 2:1 von Manchester City gegen Dortmund ließ die Verlierer fast zufriedener zurück.

„Wir haben es ihnen zu einfach gemacht“, sagte Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. „Wenn du ins Halbfinale willst, musst du dir das Recht dazu verdienen. Das haben wir heute Abend nicht, vor allem in der ersten Halbzeit.“ Angesichts der Leistung kamen selbst dem sonst grundoptimistischen Trainer Zweifel. „Ich weiß nicht, ob wir es schaffen können. Aber ich kann versprechen, dass wir alles versuchen werden.“

Real war nur bedingt zufrieden. „Wenn ich ganz ehrlich bin: Das Ergebnis ist in Ordnung, aber es war mehr möglich für uns“, sagte Toni Kroos, der das 1:0 von Vinicius jr. mit einem sehenswerten Flankenball vorbereitete. Der 20-jährige Brasilianer avancierte später zum Doppeltorschützen - seine Premiere in der „Königsklasse“. Sonderlob von Coach Zinedine Zidane war garantiert. „Ihm fehlte hier oder da ein Tor. Heute zwei anzuschreiben, wird sein Selbstvertrauen sicher stärken. Er hat verdient, was heute Abend passiert ist“, sagte Zidane.

Er warnte nach einer phasenweise „exzellenten“ Leistung: „Es steht noch ein Rückspiel an.“ Für die Partie am 14. April baut Liverpool auch ohne Heimfans im Rücken auf den Faktor Anfield. „Es muss eine wirklich schwierige Aufgabe für Real in Anfield werden - mit oder ohne Zuschauer“, forderte Klopp.

Obwohl Real die Stamm-Innenverteidiger Sergio Ramos und Raphael Varane fehlten, blieb Liverpools Offensivabteilung blass. Die „Reds“ belohnten sich in der besseren zweiten Hälfte immerhin mit einem Auswärtstor. Mohamed Salah traf im nur 6.000 Zuschauer fassenden Estadio Alfredo di Stefano. Das Stadion war laut Klopp nicht unbedingt ein Wohlfühl-Faktor: „Das hier war wirklich seltsam, es war wirklich schwierig. Aber Anfield ist zumindest ein richtiges Stadion und das wird gut für uns sein.“

Liga-Rivale Manchester City mühte sich ebenso, kam beim Heim-2:1 gegen Dortmund aber zum erwarteten Heimsieg. City ließ die zuletzt gezeigte Leichtigkeit im Herausspielen von Chancen vermissen, was laut Trainer Josep Guardiola am hohen Erwartungsdruck und einem hervorragend eingestellten BVB lag. „Wenn du 26 von 27 Spielen gewinnst und gegen einen Gegner spielst, der nicht dabei ist, die Bundesliga zu gewinnen, dann liegt der Druck klar auf unseren Schultern“, sagte Guardiola.

Der katalanische Taktikfuchs sah sich letztlich für seine vorhergehenden Lobeshymnen auf den BVB bestätigt. „Man konnte sehen, dass es egal ist, was in der Bundesliga passiert: Dortmund hat eben genug Qualität.“ Sein Team habe Probleme gehabt, ins geliebte hohe Pressing aufzurücken. „Dortmund spielt ja öfter so in dieser Anordnung und wenn du sie pressen willst, spielen sie den langen Ball auf Haaland und spielen dann ihre Geschwindigkeit im Angriff aus.“

So verpasste der BVB, der selbst zwar kaum vor das gegnerische Tor kam, den unerwarteten Coup nur knapp. Erst der späte Treffer von Phil Foden (90.) brachte die Dortmunder, für die Marco Reus (84.) nach Zuspiel von Erling Haaland um eine noch bessere Ausgangslage. Kevin de Bruyne hatte in der 19. Minute mit dem 1:0 vorgelegt. Am Tag darauf revanchierte sich der Verein im Form einer Vertragsverlängerung. Der belgische Mittelfeldstar ist nun bis 30. Juni 2025 an die „Citizens“ gebunden.

Haaland blieb bis auf den Assist blass und erstmals in dieser Champions-League-Saison ohne Torerfolg (zehn Treffer in sieben Einsätzen). Ziel eines Autogrammjägers war der Norweger nach der Partie aber dennoch. Wie TV-Bilder zeigten, ließ sich einer der rumänischen Schiedsrichter-Assistenten eine Gelbe Karte vom Jungstar unterschreiben.

Die Dortmunder störte nach einer reifen Leistung vor allem der späte Verlusttreffer. „Bei 1:1 wären wir beim Anpfiff nächste Woche weiter gewesen. Das ist immer eine wunderbare Ausgangssituation in den K.o.-Spielen“, erinnerte Verteidiger Mats Hummels. „Jetzt müssen wir eins schießen.“ Aber wie Trainer Edin Terzic („Jetzt ist erst Halbzeit“) stimmte auch ihn die hervorragende Defensiv-Leistung zuversichtlich für das Rückspiel am 14. April. „Die Chancen sind voll da.“ Ein 1:0 würde Dortmund reichen. Doch City hat in den vergangenen 15 Auswärtspartien immer zumindest einmal getroffen.


Kommentieren


Schlagworte