Erneut Tote bei Demonstrationen in Myanmar

Die brutale Militärgewalt in Myanmar hat auch am Mittwoch wieder mehr als ein Dutzend Todesopfer gefordert. Allein in der Kleinstadt Kalay im Norden hätten Einsatzkräfte mindestens elf Menschen getötet, als sie das Feuer auf Demonstranten eröffneten, berichtete die Zeitung „The Irrawaddy“. Zwei weitere Tote gab es Medienberichten zufolge in der Stadt Bago im Süden. Landesweit gingen wieder Menschen auf die Straße, um gegen den Militärputsch vom 1. Februar zu protestieren.

Unter anderem gab es einen Protestmarsch in der berühmten Pagodenstadt und Welterbestätte Bagan. In der früheren Hauptstadt Yangon forderten Demonstranten einen Boykott chinesischer Produkte und warfen dem Land vor, die Junta zu unterstützen. Peking hatte zuletzt im UNO-Sicherheitsrat Sanktionen gegen die Militärführung abgelehnt. „China, schäm Dich!“, war etwa auf Plakaten zu lesen.

Aktivisten zündeten eine chinesische Flagge an, wie auf Aufnahmen zu sehen waren. In einer chinesischen Fabrik in Bago brach ein Brand aus. Bereits im März wurden Brandanschläge auf mehr als 30 Fabriken in Yangon verübt, an denen chinesische Investoren beteiligt sind.

Junta-Chef Min Aung Hlaing verurteilte die Demonstranten. Wegen der Bewegung des zivilen Ungehorsams werde in Krankenhäusern, Schulen und Fabriken nicht mehr gearbeitet. Die Bewegung sei „eine Aktivität zur Zerstörung des Landes“, erklärte der General.

Die Informationslage zu Toten und Verletzten bleibt schwierig, da die neue Junta nicht nur nachts, sondern mittlerweile auch tagsüber das Internet weitgehend sperren lässt. Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP sind seit dem Umsturz vor neun Wochen mehr als 580 Menschen ums Leben gekommen, 2.750 sitzen derzeit noch in Haft. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer sehr viel höher sein könnte.

Einige Festgenommene haben die Haft nicht überlebt - darunter auch Politiker der Partei Nationale Liga für Demokratie der entmachteten Regierungschefin Aung San Suu Kyi. „Menschen werden ständig bei Verhören getötet“, so AAPP. Die 75-jährige Suu Kyi sitzt selbst im Hausarrest und wurde seit dem Putsch nicht mehr öffentlich gesehen.

Immer wieder gibt es Berichte über schwere Folter. Menschenrechtler berichteten, Soldaten hätten die derzeit beliebten Tätowierungen mit dem Profil Suu Kyis teilweise auf der Haut ihrer Träger verbrannt. Schreckliche Fotos davon kursierten in den sozialen Netzwerken.

Westliche Staaten wie die USA, Großbritannien und Australien haben als Reaktion auf den Putsch und die Gewalt Sanktionen verhängt oder verschärft. Sie richten sich gegen die Generäle und Unternehmen, die vom Militär kontrolliert werden.


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