Russland verlegt Kriegsschiffe, Selenskyj reist an die Front

Russland verlegt einem Medienbericht zufolge mehrere Artillerie- und Landungsschiffe vom Kaspischen ins Schwarze Meer, an dem unter anderem die Ukraine liegt. Dort sollen sie an Übungen teilnehmen, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag. Die Regierung in Kiew wirft Russland vor, seit Wochen Truppen an der Grenze zur Ukraine zu verstärken. Unterdessen besucht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Frontlinie im Osten des Landes.

Separatisten sollen Angriffe auf die ukrainische Armee an der Demarkationslinie verstärkt haben. Russland unterstützt diese Milizen militärisch. Westliche Staaten und die NATO haben sich besorgt geäußert über die Entwicklung. Russlands Schwarzmeerflotte hat ihren Hauptstützpunkt auf der Halbinsel Krim, die das Land 2014 von der Ukraine annektierte.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte für Donnerstag einen Besuch im Osten der Ukraine an, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen. Er plant laut Präsidentenbüro, zu Stellungen zu fahren, wo der Waffenstillstand „in den vergangenen Tagen systematisch verletzt wurde“. So wolle er „den Kampfgeist“ der Armee stärken. Selenskyj schrieb auf Twitter, er wolle am Ort der „Eskalation“ mit den Soldaten sein.

Donnerstagfrüh war ein weiterer ukrainischer Soldat bei einem Beschuss durch pro-russische Kämpfer getötet worden, wie die Armee mitteilte. Damit stieg die Zahl der seit Jahresbeginn getöteten Armeeangehörigen auf 25. Seit Mitte Februar gibt es wieder verstärkt Kämpfe zwischen den Separatisten und der Regierungsarmee in der Ost-Ukraine.

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Selenskyj hatte am Dienstag einen Beitritt der Ukraine zur NATO gefordert, um ein „Signal“ an Russland zu schicken. In den Beschlüssen des NATO-Gipfels von Bukarest 2008 hatte die Allianz der Ukraine nur eine unverbindliche Aufnahmeperspektive gegeben und einen Status als Beitrittskandidat abgelehnt. Die Allianz äußerte sich nicht konkret zu Selenskyjs Forderung nach einem Beitritt, sondern verwies auf weiteren Reformbedarf in der Ukraine sowie eine notwendige Festigung der demokratischen Institutionen und der Rechtsstaatlichkeit.

In dem seit 2014 andauernden Konflikt mit pro-russischen Separatisten in der Ost-Ukraine wurden mehr als 13.000 Menschen getötet. Im Juli vergangenen Jahres hatten sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand geeinigt, der jedoch seither immer wieder gebrochen wurde.


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